Landjugend im Ramadan: Fasten ist kein Problem. Ohne Handy geht es aber nicht

Für viele muslimische Teenager in Karlstadt gehört der Heilige Fastenmonat ganz selbstverständlich zum Jahrestakt. Auf Essen, Trinken oder Nikotin verzichten sie während des Tages gerne. Auch die mangelnde Anteilnahme ihrer Umwelt ist für sie kein Thema. Von einer Sache können sie allerdings nicht lassen: Dem Smartphone. Explizit für den Ramadan nutzen sie das jedoch nicht.

Festliche Iftar-Tafeln auf öffentlichen Plätzen, Veranstaltungsreihen, die Kultur und Genuss verbinden: Während des Heiligen Fastenmonats ist auch in Deutschland einiges geboten. In Großstädten wie Berlin gehören schillernde Ramadannächte gerade für junge Leute unbedingt zu einem gelungenen Fest dazu. Doch wie steht es damit im ländlichen Raum? Ist hier öde Langeweile angesagt? Nicht unbedingt. Die Vorzeichen sind jedoch ein wenig anders.

Fünf bis acht Prozent Muslime, je nachdem, ob Altstadt oder umliegende Siedlungen, wohnen in der unterfränkischen Kreisstadt Karlstadt in der Nähe von Würzburg. Das Leben ist beschaulich, die Freizeitangebote eher übersichtlich. Zwei Moscheen bietet die 14.800 Mann starke Gemeinde den muslimischen Gläubigen. Rund 280 kommen zu den Freitagsgebeten. Auch ein Jugendkulturhaus namens „Piranha“ steht zur Verfügung; eines der Anlaufstellen für muslimische Jugendliche des Ortes.

Ramadan ist tägliches Thema im Jugendkulturhaus

Der Ramadan ist dort, im Refugium der jungen Leute so gut wie täglich ein Thema. Im Gespräch mit den meist zwischen 16 und 19 Jahre alten Jugendlichen erfahren auch die Stadtjugendpflegerinnen Sabine Klingert und Sandra Prockl so einiges über die Gepflogenheiten während der Fastenzeit. Sie lernen die Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber auch so manch kleine „Schummelei“ der Jungen und Mädchen kennen, die den Ramadan zwar sehr ernst nehmen, aber vereinzelt dann doch eine kleine Auszeit brauchen.

Im Alter zwischen zehn und elf Jahren, so erzählt eine kleine Runde den Deutsch Türkischen Nachrichten, hätten die meisten von ihnen mit dem Fasten angefangen. Ganz selbstverständlich hätten sie das aus ihren Familien übernommen. Gemeinsam begehen sie den Heiligen Fastenmonat, sitzen zum Iftar in geselligen Runden zusammen und genießen die reichlichen Speisen, bei deren Zubereitung sie vorher meist sogar mitgeholfen haben. „Die ersten Tage sind hart“, so die Gruppe im Chor. Doch ein Pardon, das wird schnell deutlich, gibt es für sie nicht. Das Fasten gehört für sie als unabdingbarer Bestandteil zu ihrem Glauben dazu.

Das Smartphone lenkt super ab!

Sahur und Iftar gehen bereits binnen weniger Tage in Fleisch und Blut über. Der Verzicht dazwischen ebenso. Selbst das Rauchen einzustellen scheint nicht das Problem. Ausweiten würden die Jugendlichen ihren Verzicht über die Forderungen des Korans hinaus allerdings nicht. Auch während des Gespräches mit den DTN legt der ein oder andere sein Handy nur ungern aus der Hand. Ganz ohne während des Ramadans, um so auch geistigen Verzicht zu üben? Gar nicht auszudenken! Nur mit Hilfe ihrer Sozialen Netzwerke und anderen Spielereien könnten sie sich effektiv von Hunger und Durst ablenken. Erwachsene ziehen meist das Einkaufen vor (mehr hier). Darüber hinaus nutzen sie das Internet überraschenderweise aber nicht. Keine Gruppen zum Thema Ramadan, die gegenseitige Motivation spenden würden. Keine Seiten, die regelmäßig besucht werden, um sich auszutauschen und den ein oder anderen Tipp zu erhaschen. Hier in der virtuellen Welt sind offenbar andere Dinge wichtiger. Alles, was zum Ramadan gehört, so die Teenager, würde innerhalb der Familien ausreichend weitergegeben.

Großes Tamtam zum Ramadan? Gar nicht nötig!

Und dieser Faden spinnt sich in Karlstadt weiter: Anders als in Großstädten gibt es in der beschaulichen Kleinstadt kaum Angebote von außen. Natürlich würden die Moscheen zum gemeinsamen Mahl einladen, so die Gruppe. Doch von Seiten der Stadt, Gastronomen oder anderen Einrichtungen werde der Ramadan eher nicht bedacht. Bedauert wird das von den Jugendlichen allerdings auch nicht. Freunde, Familie, Verwandte – die so oder so wertvolle Zeit mit ihnen scheint genug. Mehr braucht es nicht, um sich auf Allah, sich selbst und die Bedürftigen zu besinnen.

In der Schule sei der Ramadan ebenfalls kein Thema. Vereinzelt würden Lehrer in der Pause nachfragen oder auch schon mal ein Auge zudrücken, wenn zum Beispiel wegen des Fastens ein Wanderausflug zu anstrengend wäre. Im Unterricht über den Ramadan sprechen, das finde aber offenbar ebenso wenig statt wie gezieltes Nachfragen der Mitschüler. Natürlich kämen immer wieder die gleichen Fragen, warum man denn überhaupt verzichte. Einzelne hätten durchaus auch Scheu vor ihnen zu essen oder zu trinken. Für die meisten seien die fastenden Freunde und Mitschüler aber so alltäglich und selbstverständlich, dass es hier keiner besonderen Behandlung bedürfe. Gewollt ist diese von den Gläubigen selbst ohnehin nicht (mehr hier).

Zum Zuckerfest ins Jugendkulturhaus „Piranha“

Im „Piranha“ wird das übrigens genauso gehandhabt. Während die einen bei den derzeit sengenden Temperaturen fröhlich an ihrem Eis schlecken, scheint es den anderen so gar nichts auszumachen, bis nach Sonnenuntergang auf die vielfältigen Leckereien des Fastenbrechens warten zu müssen. Die überwiegend muslimischen Jugendlichen der Einrichtung geben sich auch in dieser besonderen Zeit locker, entspannt und vor allem unkompliziert. Dass die Mitarbeiter den Teenagern dennoch etwas Besonderes bieten wollen, versteht sich jedoch von selbst. Zum abschließenden Zuckerfest, so Erzieherin Sandra Prockl, sei ein geselliges Zuckerfest in der Einrichtung geplant. Mit allem Drum und Dran.

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