Ankara ist außer sich: Hollywood-Stars kritisieren türkischen Umgang mit den Protesten

Mit ihrer offenen Kritik an der türkischen Regierung haben zahlreiche Hollywood-Stars den Zorn von Recep Tayyip Erdoğan auf sich gezogen. Sean Penn, Susan Sarandon und ihre Kollegen äußerten sich öffentlich über den Umgang der Regierung mit den Protesten. Doch der Premier ist überzeugt: Die Unterzeichner des Offenen Briefes wurden „getäuscht“. Er droht mit rechtlichen Schritten.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan ist der Ansicht, dass die Unterzeichner eines Offenen Briefes, der in der vergangenen Woche in der Times veröffentlicht wurde, „ernsthaft getäuscht“ worden seien. Die Hollywood-Stars kritisierten ihn darin für die massive Polizeigewalt während der Gezi Park Proteste.

„Solche berühmten Personen sollten die Texte, die sie unterzeichnen, gut lesen und verstehen. Diejenigen, die dieses Schreiben unterzeichnet haben, wurden ernsthaft getäuscht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan.

Erdoğan für den Tod junger Menschen verantwortlich

Nachdem sich zuvor bereits Unterstützer der Demonstranten etwa in der New York Times (mehr hier) und auch in türkischen Blättern (mehr hier) zu Wort gemeldet hatten, erschien am vergangenen Mittwoch, den 24. Juli, eine ganzseitige Anzeige in der britischen Times. Die Unterzeichner sprachen beim Vorgehen des Premiers unter anderem von einer „diktatorischen Herrschaft“.

Seine Anordnungen hätten zum Tod von fünf unschuldigen Jugendlichen geführt. Ihrer Ansicht nach müsste er dafür vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Verantwortung gezogen werden. Die Demonstranten hätte er als „Landstreicher, Plünderer und Hooligans“ bezeichnet und sogar behauptet, dass sie vom Ausland gesteuerte Terroristen wären. Doch: „In der Realität waren sie nichts anderes als junge Leute, die wollen, dass die Türkei ein säkularer Staat bleibt, wie von ihrem Gründer Kemal Atatürk entworfen.“ Auch einen Vergleich mit den jährlichen Reichsparteitagen der Nazis in Nürnberg zogen die Unterzeichner heran.

Rechtliche Schritte gegen Times und Verfasser

„Wir bedauern, dass diese so genannte Celebrities, die die Türkei nicht einmal auf einer Karte zeigen könnten, solch einen Brief unterschrieben haben ohne dessen Inhalt zu lesen und (….) ohne die innere Geschichte dessen, was da in der Türkei passiert, zu kennen“, so der Premier. Zudem, so Reuters, kündigte Erdoğan an, gegen das Blatt und jene, die den Brief verfasst haben, rechtliche Schritte einleiten zu wollen. Der Times warf er vor, mit der Veröffentlichung der Zeilen einen „Mangel an Moralität“ gezeigt zu haben.

Auch AKP-Sprecher Hüseyin Çelik ließ kein gutes Haar an dem Offenen Brief. Er bezeichnete ihn als ein Exempel für „Arroganz“. Zudem würden die Celebrities die Ereignisse in Syrien und Ägypten völlig ignorieren.

Zu den Unterzeichnern des ganzseitigen Briefes gehörten Sean Penn und Susan Sarandon, aber auch andere international renommierte Künstler und Gelehrte wie Regisseur David Lynch, der britische Schauspieler Ben Kingsley oder Andrew Mango, der Biograph von Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer des modernen türkischen Staates. Daneben fanden sich die Unterschriften der irischen Autorin Edna O’Brien, des britischen Labour-Abgeordneten Jeremy Corbyn, der britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave, des britischen Regisseurs türkischer Herkunft Fuad Kavur, des ungarischen Kameramanns Vilmos Zsigmond, des renommierten türkischen Pianisten Fazil Say und der freien amerikanischen Journalistin und Autorin Claire Berlinski.

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