Keine Schwangeren in der Öffentlichkeit: Haben Äußerungen nun ein juristisches Nachspiel?

Die Türkische Anwaltskammer (TBB) hat sich an die türkische TV-Aufsicht gewandt. Diese soll den öffentlichen Sender für die Ausstrahlung der umstrittenen Aussagen von Ömer Tuğrul İnançer über schwangere Frauen in der Öffentlichkeit abstrafen.

Die Türkische Anwaltskammer (TBB) ist der Auffassung, dass Ömer Tuğrul İnançer, Generaldirektor am Staatsensemble für Klassische Türkische Musik und Mitglied in einem islamischen Sufi-Orden, mit seinen Ansichten zum Thema Schwangerschaft Frauen beleidigt habe. Dass der ausstrahlende TV-Sender hier auch noch mitmachte, so die Ansicht der Juristen, verstoße ganz klar gegen die Vorschriften des Obersten Rates für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK). Der Sender müsse dafür abgestraft werden.

Moderator hätte İnançer nicht stützen dürfen

„[Die Aussagen des Moderators] verstoßen gegen das Prinzip der Vermeidung zur Aufstachelung von Hass. Sie demütigen die Frau und diskriminieren sie für ihr Geschlecht. Das ist nicht mit der Gleichstellung von Frauen und Männern vereinbar“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet die TBB. İnançers Forderung, dass schwangere Frauen zuhause bleiben sollten, entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage. Die Kommentare und Gesten des Moderators hätten sein Aussagen noch zusätzlich unterstützt. Dies würde zeigen, wie weit das Programm von den Prinzipien des RTÜK entfernt sei. So habe der Gastgeber İnançer unter anderem mit auf den Weg gegeben: „Möge Gott mit dir zufrieden sein.“

Die TBB fordert vom RTÜK nun eine Bestrafung von TRT 1 im Rahmen des Artikel 8 des Gesetzes über Rundfunk und Fernsehen.

Frauen und DITIB sind empört

Bei einer Fernsehshow anlässlich des Ramadans erklärte İnançer, dass es unästhetisch sei, wenn schwangere Frauen sich im Zuge des Mutterschutz-Urlaubs auf die Straßen begeben. „Zudem schickt es sich nicht, wenn schwangere Frauen im TV der ganzen Welt verkünden, sie seien schwanger“, so İnançer. Seine Aussagen hatten nicht nur zahlreiche Politikerinnen auf den Plan gerufen. Auch die türkische Religionsbehörde (DITIB) äußerte sich zu den Aussagen İnançers. Ein Sprecher der DITIB sagte der Zeitung Vatan, dass die Isolation einer Frau nicht religiös begründet werden könne. „Seine Aussagen sind total traditionell begründet und stehen nicht im Einklang mit dem Islam“, so der Sprecher. (mehr hier).

Die RTÜK fiel in den vergangenen Wochen vor allem wegen ihrer rigorosen Abstrafung türkischer Sender für deren Protestberichterstattung auf. Die Anstalten wurden mit empfindlichen Strafen belegt. Eine wurde sogar kurzfristig geschlossen. Die vorgebrachte Argumentation erschien jedoch fadenscheinig. Mal war es eine vermeintlich vulgäre Sprache, mal sah RTÜK die „geistige und moralische Entwicklung junger Menschen gefährdet“ (mehr hier).

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