Mann kapert Merkel-Flugzeug: War er ein Türke?

Der moderne Überwachungsstaat kann in jeder Email lesen, ob Franz morgen Bratwürstchen essen wird. Der aufgeblasene Sicherheitsapparat kann jedoch offenbar nicht verhindern, dass ein kaum zurechnungsfähiger Drogensüchtiger eine Regierungsmaschine kapert und sich stundenlang darin verschanzt – wie am Donnerstag in Köln geschehen. Die Behörden sind entsetzt.

Am vergangenen Donnerstagsabend hat es ein offenbar unter Drogeneinfluss stehender Mann geschafft, bis in einen Flieger der Bundesregierung vorzudringen. Wie der 24-Jährige den Airbus 319 CJ, der auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn stand, erklimmen konnte, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Angeblich handelt es sich um einen Deutsch-Türken.

Eigentlich ist der militärische Teil des Flughafens Köln/Bonn ein hoch gesicherter Bereich. Nur Personen, die bei der Bundeswehr in diesem Areal arbeiten, oder sonstige Befugte mit speziellen Ausweisen haben hier Zugang. Dennoch gelangte gegen 22 Uhr am vergangenen Donnerstagabend ein junger Mann bis ins Cockpit eines Fliegers der Bundesregierung. Dieser Jet wird auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel genutzt.

Wie es der Eindringling auf das Areal in Porz-Wahn schaffte, ist bisher nicht bekannt. Weder die Bundeswehr noch Bundes- und Landespolizei haben derzeit eine Erklärung. Der Mann soll unter Drogen gestanden haben.
Silvio Schmidt, Sprecher der Luftwaffe Köln, konnte auf Anfrage der Deutsch Türkischen Nachrichten nicht bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Deutsch-Türken handle. Dies hatte die Bild-Zeitung gemeldet und dem Mann den Namen Volkan gegeben.

Auch über die näheren Umstände der Tat gebe es an diesem Sonntag keine neuen Erkenntnisse. Der Fall liege jetzt bei der Staatsanwaltschaft, die Bundeswehr arbeite zu. Nach Abschluss der Ermittlungen werde jedoch auch die Bundeswehr den Fall intern aufarbeiten. Sollte es tatsächlich Versäumnisse bei den Wachen gegeben haben, werde die Bundeswehr reagieren. Die so genannten internen Disziplinarmaßnahmen, so Schmidt, könnten „vom Verweis bis zur Entlassung“ reichen.

Auf dem Gelände in Köln/Bonn befindet sich die Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums. Tag und Nacht stehen hier sechs Flugzeuge für Regierungsmitglieder zur Verfügung. Im Schutze der Dunkelheit, so die Kölnische Rundschau, soll der Mann, der vermutlich unter Drogeneinfluss stand, zunächst um den Airbus herum gegangen sein und sich dann ins Innere begeben haben. Danach hätte er sich regelrecht im Cockpit „verschanzt“ und sich auf Aufforderung der Beamten von Bundes- und Landespolizei geweigert, dieses zu verlassen. Bei seinem Versuch, den Flieger zu starten, soll er versehentlich den Knopf für das Alarmsignal in Notfällen (ELT) gedrückt haben. Nachdem die Tür von den Einsatzkräften geöffnet wurde, sei der Mann schließlich in Polizeigewahrsam genommen worden.

Der betroffene Flieger, der zum fraglichen Zeitpunkt nicht an der Stromversorgung angeschlossen war, wurde derweil von der Kölner Polizei zur Spurensicherung beschlagnahmt. Die internen Untersuchungen laufen. Gegen den 24-Jährigen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Ihm wird gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung vorgeworfen. Wie es an diesem Sonntag heißt, sei er vorläufig in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden.

Derzeit wird  von einer verminderten Schuldfähigkeit des Mannes ausgegangen. Klar sei jedoch, so die Staatsanwaltschaft in der Kölnischen Rundschau, dass sich der Eindringling offenbar mit Flugzeugen ausgekannt habe. Ein Indiz dafür sei, dass er das Cockpit erklommen und „zwischen Schaltern und Hebeln ausgerechnet den Alarmknopf“ gefunden habe.

Der Vorfall zeigt, wie hilflos der Überwachungssaat gegen wirkliche Bedrohungen ist. Statt Steuergelder in die Überwachungen von Emails oder Telefondaten zu stecken, sollten sich die Politiker lieber dazu entschließen, ein paar Mann mehr als Wache zu den Flughäfen abzukommandieren.

Denn es kann ja eigentlich nicht sein, dass es einem offenbar unter Drogen nur bedingt Zurechnungsfähigen mühelos gelingt, an die Flugzeuge der Regierung zu gelangen. Wenn das so einfach ist, kann auch jeder potentielle Gewalttäter an die Maschinen gelangen und gegebenenfalls die Technik manipulieren.

Alternativ empfiehlt sich die Abschaffung der ganzen Regierungs-Airline. Bahnreisen und Linienflüge sind die sicherste Form der Fortbewegung für Politiker und stellen die geringste Belastung für die Steuerzahler dar.

Zu einer ähnlichen Panne war es Anfang des Monats übrigens auch am Istanbuler Atatürk Flughafen gekommen. Einem türkischen Mann, der zuvor aus Israel abgeschoben worden war, gelang es, sich an Bord einer Delta Airlines Maschine nach New York zu schmuggeln ohne ein gültiges Ticket zu besitzen. Völlig unbehelligt von der Grenzpolizei und zahlreichen Überwachungskameras bahnte sich der blinde Passagier seinen Weg. Dem Kabinenpersonal fiel er erst auf, als gewahr wurde, dass er gar keinen Sitzplatz hatte. Die Flughafenvertreter bezeichneten den Vorfall als „Sicherheitslücke“. Eine Untersuchung des Falls wurde angekündigt (mehr hier).

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