Erstes AKW in der Türkei: Verzögert ein Umweltbericht das ganze Projekt?

Der Bau des ersten türkischen Kernkraftwerks könnte langsamer voranschreiten als ursprünglich vorgesehen. Ein entsprechender Bericht über eine Umweltverträglichkeitsprüfung, der dem Umweltministerium vom durchführenden Unternehmen vorgelegt wurde, ist abgelehnt worden.

Der Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks verzögert sich offenbar. Das hiesige Umwelt- und Stadtplanungs-Ministerium hat einen Umweltverträglichkeitsbericht für die Anlage in Akkuyu unter Berufung auf Mängel in Form und Inhalt abgelehnt.

Der russische Rosatom-Konzern, der bereits 2010 den Zuschlag für den Bau und den Betrieb des ersten Atomkraftwerks in der Türkei erhalten hat, investiert rund 20 Milliarden US-Dollar in das AKW in der türkischen Provinz Mersin. Ausgestattet wird die Anlage mit vier Reaktoren. Die Leistung soll 4.800 Megawatt (MW) betragen. Das durchführende Unternehmen Akkuyu NGS hat am 9. Juli nun den benötigten Umweltbericht an das türkische Umweltministerium zur Prüfung übermittelt.

Umweltbericht umfasst 3000 Seiten

Er gilt als einer der wichtigsten Punkte, um überhaupt mit dem Bau des ersten AKWS beginnen zu können. Er umfasst, so berichtet die türkische Hürriyet, insgesamt 3000 Seiten, aufgeteilt in zwölf Abschnitte. Enthalten sind die Ergebnisse der wissenschaftlichen Beobachtungen und detaillierte Forschungen über jeden Aspekt des geplanten Kraftwerks.

Dieser wurde nun innerhalb von sechs Tagen vom Ministerium abgelehnt ohne ihn überhaupt an die Prüfungskommission zu senden. Bereits am 15. Juli sei der Bericht mit dem Hinweis zurück an Akkuyu NGS gegangen, ihn in einigen Punkten zu überarbeiten. Die Crux: Ohne diesen Bericht dürfen die Bauarbeiten nicht starten. Den Zeitplan des durchführenden Unternehmens dürfte das ordentlich durcheinander wirbeln. Immerhin sollte der Betrieb in Mersin-Akkuyu bereits 2019 aufgenommen werden.

Ankara schlägt Bedenken in den Wind

Trotz lautstarker nationaler wie internationaler Kritik hält die Türkei an ihrem Atomkurs fest. Neben der Anlage in der Provinz Mersin ist bereits ein zweites AKW in der Schwarzmeer-Provinz Sinop in der konkreteren Planung. Der Zuschlag für die Anlage mit einer Gesamtkapazität von 4.800 Megawatt ging hier an eine japanisch-französische Allianz bestehend aus Mitsubishi Heavy Industries und der französischen Firma Areva (mehr hier). Die Türkei und Japan unterzeichneten hierfür einen 22-Milliarden-Dollar-Deal. Die erste Einheit soll bereits 2023 die Arbeit aufnehmen. Bis 2028 sollen dann alle Einheiten in Betrieb sein. Ein drittes AKW soll sogar in Eigenregie errichtet werden (mehr hier).

Ankara plant durch den Bau von drei Atomreaktoren milliardenschwere Einsparungen im Bereich der Energieimporte. Konkret soll es um ganze 7,2 Milliarden US-Dollar gehen. Sowohl der öffentliche Haushalt, als auch die privaten Haushalte, könnten von dem Energieprojekt der AKP-Regierung profitieren. Außen vor bleiben in dieser Rechnung allerdings die unkalkulierbaren Risiken (mehr hier).

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