Ein Friedhof: In Wuppertal sollen Christen, Muslime und Juden gemeinsam die letzte Ruhe finden

Noch ist die Zahl muslimischer Bestattungen in Nordrhein-Westfalen eher gering. Doch im Laufe der kommenden Jahre könnte sich das schnell ändern. Via Reform des Bestattungsgesetzes sollen Muslime schon ab Anfang kommenden Jahres in der Lage sein, eigene Friedhöfe zu betreiben. In Wuppertal entsteht unterdessen ein in Deutschland einmaliges Projekt: Ein Friedhof für drei Weltreligionen.

Fünf Jahre, nachdem die Idee erstmals im Raum stand, soll in Wuppertal nun ein in Deutschland einmaliges Projekt umgesetzt werden: Ein Konfessions übergreifender Friedhof. Bestattet werden sollen hier allerdings nicht nur Katholiken und Protestanten. Im Blick hat die Stadt gleich drei Weltreligionen. Christentum, Judentum und den Islam.

Für die Stadt Wuppertal, so berichtet die Westdeutsche Zeitung, sei ein solches Areal ein großes Zeichen für die Versöhnung der Religionen. Peter Jung (CDU), Oberbürgermeister in der nordrhein-westfälischen Großstadt wertet das Vorhaben gar als ein „Symbol für ganz Deutschland“. Möglich werde das Ganze im Zuge einer geplanten Gesetzesänderung ab Januar 2014. Ab diesem Zeitpunkt ist es muslimischen Vereinen gestattet, eigene Friedhöfe zu betreiben.

Ewiger Totenruhe wird Rechnung getragen

Für die drei religiösen Gemeinschaften in der gut 343.000 Einwohner großen Stadt ist das Projekt weniger Symbolik, sondern ganz praktischer gemeinsamen gelebter Alltag. Und dieser soll sich auch auf dem Friedhof widerspiegeln. So sehe der Entwurf zum Beispiel eine gemeinsame Friedhofsmauer vor, die drei nachbarschaftliche Felder umgrenze. Bedacht wird auch die im Islam wichtige, ewige Totenruhe: Weder auf dem muslimischen Grabfeld, noch auf dem jüdischen, so heißt es, sollen die Gräber nach einer 25-jährigen Frist eingeebnet werden.

Gemeinsame Ruhestätte auf Gelände in Varresbeck

Zusammen kommen die drei Weltreligionen in Wuppertal bereits seit gut 20 Jahren. Seit dem Brandanschlag in Solingen 1993 gibt es hier einen so genannten Runden Tisch, an dem sich die Vorsitzenden der Kirchen und Vereine regelmäßig austauschen. Die Bestattung über Glaubensgrenzen hinweg, planen sie künftig auf dem Friedhofsgelände der evangelischen Gemeinde im Stadtteil Varresbeck. Dort haben bereits Christen und Juden ihre letzte Ruhe gefunden. Jetzt soll das Areal durch ein muslimisches Gräberfeld ergänzt werden.

Derzeit, so informiert die Islamische Zeitung, würden sich  noch rund 95 Prozent der Muslime in Deutschland in ihrem Heimatland beerdigen lassen, weil sie die letzte Ruhe nach den Riten ihrer Religion finden wollen. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) will das mit der Reform des Bestattungsgesetzes ändern. Die Bestrebungen stoßen jedoch auch auf Kritik. Allein die Ausweisung spezieller Friedhofsflächen reiche nicht aus, hieße es von Seiten islamischer Verbände. So müssten zudem auch islamische Bestattungsriten, wie das Leichentuch, die Ausrichtung gen Mekka und die Bestattung binnen 48 Stunden zugelassen werden.

Bedarf an muslimischen Bestattungen könnte schnell steigen

In Nordrhein-Westfalen leben derzeit rund eine Million bekennende Muslime. Derzeit liegt die Zahl muslimischer Bestattungen laut NRW-Städtetag jedoch bei nur fünf bis 25 pro Jahr. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass der Bedarf schneller als gedacht steigen könne, gerade mit Blick auf die jüngeren Muslime ohne starke Verbindung zur Türkei. Schon 2015, so berichtete die WZ bereits im Jahr 2012, könnte das Gräberfeld in Ronsdorf nicht mehr ausreichen.

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