Türkei: Minderheiten bekommen eigene Nummern

In der Türkei werden Angehörige nicht-muslimischer Minderheiten mit Codes versehen. Doch ein Sprecher des Bildungsministeriums sagt, dass diese Prozedur der Identifikation bei der Einschulung von Kindern dienen soll. Denn die Griechen, Armenier und Juden haben konfessionelle Privatschulen, auf die nur Angehörige der jeweiligen Minderheit gehen.

Die türkisch-armenische Zeitung Agos berichtet, dass es in der Türkei eine „geheime Kategorisierung“ von Armeniern, Griechen und Juden gebe. Demnach seien seit 1923 Griechen mit der Nummer „1“, Armenier mit der „ 2“ und Juden mit der „3“ kodiert.

Agos sieht darin eine ethnische Diskriminierung. Doch ein Sprecher des türkischen Bildungsministeriums weist den Vorwurf zurück. Diskriminierungsbestrebungen seien nicht angezeigt. Das Gegenteil sei bei der Kodierung der Fall.

Im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1922 wurden Griechen, Juden und Armenier als nicht-muslimische Minderheiten offiziell anerkannt. Aus dem Minderheitenstatus ergaben sich bestimmte Rechte. Dazu gehöre beispielsweise der Besuch einer Minderheiten-Schule. „Der Zugang zu einer solchen Schule hänge von der klaren Zugehörigkeit zu einer Minderheit ab. Ein Generalverdacht steht außer Frage“, zitiert das Onlineportal Internet Haber den Sprecher.

Der türkische Staat habe eine Kodierung vorgenommen, um zu garantieren, dass Angehörige der drei Minderheiten konfessionelle Schulen besuchen können. Das sei auch im Interesse der Minderheiten gewesen.

Doch die Zeitung Radikal schreibt, dass eine derartige Kodierung auch gegen Minderheiten vorgenommen wurde, die keinerlei konfessionelle Schulen betreiben.

Ethnische- und religiöse Kategorisierungen werden von Land zu Land anders gehandhabt. So gibt es beispielsweise beim „United State Census“ in den USA eine „rassische“ Einteilung, die durch Selbstauskunft erfolgt. In Deutschland erfolgt hingegen keine Kategorisierung nach „rassischen“ Merkmalen – auch nicht durch Selbstauskunft.

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