Fast eine Million Bücher: Türkisches Ministerium stattet Bibliotheken neu aus

Was gekauft wird, darüber entscheidet eine Fachjury. Wie viele Bücher die türkische Regierung für eine Auswahl an öffentlichen Bibliotheken beziehen will, steht derweil schon fest. Rund 900.000 neue Titel sollen in die Regale wandern. Ob damit die Leselust der Türken gesteigert werden kann, bleibt fraglich.

Mit neuen Werken will die Türkei ihren Bürgern offenbar das Lesen schmackhaft machen. (Foto: Flickr/ thejester100)

Mit neuen Werken will die Türkei ihren Bürgern offenbar das Lesen schmackhaft machen. (Foto: Flickr/ thejester100)

Das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus will offenbar im großen Stil in türkische Bibliotheken investieren. Wie jetzt bekannt wurde, gebe es Pläne, 903.000 Publikationen für die öffentlichen Einrichtungen anzuschaffen. Das Budget liegt bei zehn Millionen Lira, umgerechnet rund 39 Millionen Euro. Denn: Noch gehören die Türken nicht zu den eifrigsten Lesern.

Fachleute entscheiden über Werk-Auswahl

117 öffentliche Bibliotheken sollen von den Plänen des Ministeriums profitieren, so die türkische Hürriyet. Insgesamt gibt es nach Angaben des Goethe Instituts derzeit allerdings rund 1100 an der Zahl. Sie sind der Generaldirektion für Bibliotheken und Veröffentlichungen (Kütüphaneler ve Yayımlar Genel Müdürlüğü), einer Behörde des Ministeriums für Kultur und Tourismus, zugeordnet.

Einfach gekauft ohne Ziel und Verstand wird übrigens nicht. Ein Kommittee, bestehend aus Autoren und Verlagen, soll mit der Auswahl betraut werden. Die Vorgabe für die Damen und Herren: Ein Kanon aus zeitgenössischen und klassischen Autoren.

Seit 2005 schon einmal rund 900.000 Bücher

Es sind übrigens nicht die ersten Bemühungen der türkischen Regierung dieser Art. Bereits im Jahr 2005 wurde ein solches Programm aufgelegt. Allerdings geschah das damals in einem weitaus kleineren Umfang. 79.000 wurden vor acht Jahren angeschafft. Ein Jahr später kamen noch einmal 326.000 dazu. 2008 legte man nach und investierte erneut in  514.000 Publikationen.

Dass die türkische Bevölkerung dennoch nicht zu den fleißigsten Leseratten zählt, das ist spätestens seit dem Bericht der Gewerkschaft der Demokratischen Pädagogen (DES) Anfang 2012 bekannt. Als alltäglicher Gebrauchsgegenstand stehen Bücher in der Türkei, demnach erst an 235. Stelle. Nur sechs Stunden sollen Türken jährlich mit dem Lesen eines Buches verbringen. Im Schnitt liest der Türke nur ein Buch in zehn Jahren (mehr hier).

Zu hohe Preise: Markt für Raubkopien floriert

Eine weitere Statistik der DES zum Leseverhalten aus dem Jahr 2011 zeigt zudem, dass 85 Prozent der Jugendlichen in der Türkei die Preise für Bücher zu hoch finden. 86 Prozent der Befragten greifen deshalb auf Raubkopien zurück. Nur 4,1 Prozent sagen, dass sie ganz auf illegale Kopien verzichten. Die Buchpreise haben in der Türkei zu einem florierenden Markt für Raubkopien geführt (mehr hier).

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