Asyl in Russland: Findet Snowden sein Glück an einem geheimen Ort?

US-Informant Edward Snowden, der nun vorläufiges Asyl in Russland erhalten hat, ist in Sachen Wohnungssuche offenbar schon fündig geworden. Auch Jobangebote sollen ihm bereits vorliegen. Doch wie es in Zukunft für ihn weitergehen wird, darüber ist er sich momentan wohl selbst noch nicht klar.

Edward Snowden ist in Russland untergetaucht. Ob freiwillig oder unfreiwillig, darüber scheiden sich die Geister. (Foto: Flickr/ Imaginary Museum Projects: News Tableaus)

Edward Snowden ist in Russland untergetaucht. Ob freiwillig oder unfreiwillig, darüber scheiden sich die Geister. (Foto: Flickr/ Imaginary Museum Projects: News Tableaus)

Eine gefühlte Ewigkeit saß US-Enthüller Edward Snowden auf dem Moskauer Flughafen fest. Seit vergangenen Donnerstag ist klar:  Der NSA-Whistleblower erhält in Russland temporärers Asyl – ganz zum Ärger der USA. Wo er unterkommt, das wisse er bereits, so sein Anwalt an diesem Freitag. Unklar sei jedoch, wie es für ihn Zukunft weitergehe. Ohnehin stellt sich die Frage, wie viel Spielraum er in nächster Zeit überhaupt haben wird.

Für genau ein Jahr gilt das derzeitge Angebot Russlands an Snowden, das ihm nun zumindest erlaubte, sein rund sechswöchiges Quasi-Gefängnis im Moskauer Flughafen Scheremetjewo leise, still und heimlich in Richtung eines bisher unbekannten Ortes zu verlassen. Innerhalb der nächsten 365 Tage wird Russland jetzt über seinen Asylantrag entscheiden.  In dieser Zeit kann sich Snowden frei in Russland bewegen. Auch einer Arbeit, so berichtet Fox News, dürfe er, wenn auch mit Einschränkungen, nachgehen. Kreml-Beobachter seien jedoch fest davon überzeugt, dass wahrscheinlich alle seine Bewegungen von russischen Geheimdienst engmaschig überwacht würden.

Wird Snowden bewusst isoliert?

Snowden, so sein Anwalt , Anatoly Kucherena, sei an einem „sicheren Ort“. Aus Sorge um seine Sicherheit werde dieser allerdings geheimgehalten. Der 30-Jährige brauche  nach der jüngsten Tortur nun Zeit, um herauszufinden, was seine nächsten Schritte sein könnten. Der Jurist geht jedoch davon aus, dass Snowden schon bald mit den Journalisten sprechen könnte. Diese hatten über die vergangenen Wochen, in denen sie den Flughafen belagerten, vergeblich nach ihm Ausschau gehalten. Sobald er wisse, was er tun wolle, werde er das dann hoffentlich auch selbst verkünden, so Kucherena.

Die Sicherheitsbedenken des Anwalts kann der russische Journalist Andrei Soldatov allerdings nicht nachvollziehen. Er zeigt sich überzeugt davon, dass Snowden in Russland keinerlei Gefahr drohe. „Der US-amerikanische Geheimdienst entführt oder ermordet keine Menschen in Russland. Das ist eine Tatsache. Dies ist nur ein Vorwand.“ Er glaubt vielmehr daran, dass Snowdens Aufenthaltsort geheim gehalten wird, damit er nicht über die Leute sprechen kann, die er getroffen hat und was wirklich mit ihm während der vergangenen 39 Tage geschehen sei. Aus diesem Grund, so Soldatov, werden die russischen Behörden auch einen Job für ihn finden, bei dem er nicht mit Journalisten in Kontakt komme.

Snowden erhält Job-Angebot von VKontakte

Bereits am vergangenen Donnerstag wurde bekannt, dass Pawel Durow, Gründer und Besitzer des größten russischen sozialen Netzwerks VKontakte, dem wichtigsten Konkurrenten von Facebook in Russland, Snowden in seinem Unternehmen eine Stelle als Programmierer angeboten haben soll. Wie die Stimme Russlands berichtet, habe man Snowden nach Sankt Petersburg eingeladen. Durow zeigte sich überzeugt, dass es für Snowden „interessant sein könnte, sich mit dem Schutz der persönlichen Daten von Millionen unserer Nutzer zu beschäftigen.“

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