Wegen Kopftuch: Passant verweigert Notruf für Muslimin

„Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach' ich gar nichts“, kommentiert ein Passant und verweigert mit diesen Worten einen Notruf für ein kollabierendes junges Mädchen. Dana Minhas, die ihr bis zum Eintreffen von Hilfe beistand, ist entsetzt. Sie ist bereit, gegen den 50-Jährigen auszusagen.

In Koblenz kam es in der vergangenen Woche zu einem beispiellosen Fall von Fremdenhass. Ein Mann verweigerte einer Frau, die versuchte einer kollabierten Frau zu helfen, den Notruf. Seine Begründung: „Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach‘ ich gar nichts.“

Die 25-jährige Dana Minhas hatte eine junge Teenagerin krampfend am Boden gesehen. Das junge Mädchen, an ihrem Kopftuch als Muslimin erkennbar, kollabierte während ihre Freundin neben ihr nicht wusste, was sie tun solle.

Minhas sprach einen Passanten an und bat ihn den Notruf zu benachrichtigen, berichtete sie der Rhein-Zeitung. Der ca. 50-Jährige habe dies allerdings entschieden verweigert. „Für so einen dreckigen Kopftuchträger mach‘ ich gar nichts“, soll dieser daraufhin gesagt haben.

„Ich war total entsetzt. Ich glaube, wenn ich das Mädchen nicht im Arm gehabt hätte, wäre ich auf den Mann losgegangen“, zitiert die Rhein Zeitung Minhas.

Erst eine Person aus der nahegelegenen Apotheke sowie ein Arzt aus dem Ärztehaus in der Casinostrasse sorgten für die notwendige Hilfe bis der Krankenwagen eintraf. Mittlerweile ist klar, dass es sich bei nach einer Impfung Hitze und Stress die Notsituation herbeigeführt hatten. Dem Mädchen soll es nun wieder gut gehen. Lebensgefahr soll nicht bestanden haben.

„Aber das konnte der Passant nicht wissen, der seine Hilfe verweigert hat“, schreibt die Redakteurin der Rhein Zeitung, Doris Schneider. Ob es zur Anklage kommt, ist noch nicht klar. Doch Dana Minhas sei dann in jedem Fall bereit, gegen den Mann auszusagen.

Anti-muslimische Gewalt gegen Frauen

Anti-muslimische Ressentiments haben offenbar Hochkonjunktur in Europa. In den meisten Fällen sind muslimische Frauen Opfer von anti-muslimischen Attacken. Am Montag wurde eine Muslimin in Berlin aufgrund ihres Kopftuchs von einem Mann mit einer Bierflasche attackiert (mehr hier).

Im April empörte sich Harald von Fehr, Tierschützer aus Thüringen und Mitglied der Tierschutzpartei, darüber, dass es erlaubt sei Schweine zu erschießen. Denn schließlich verhielten sich jene Schweine zivilisierter, als Muslime mit Kopftüchern (mehr hier).

Doch der bisher schwerste anti-muslimische Vorfall gegen Kopftuch tragende Frauen ereignete sich 2009 in Dresden. Dort wurde die ägyptische Handballspielerin und Pharmazeutin Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht von dem Islam-Hasser Alex Wiens mit 18 Messerstichen getötet.

El-Sherbini hatte zuvor Anklage gegen Wiens erhoben, weil der sie auf einem Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft hatte. Der Vorfall sorgte für internationale Medienaufmerksamkeit.

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