Bundestagswahlen: „Über Integration sprechen, nicht über Migranten“

Dr. Karamba Diaby tritt im Wahlkreis Halle (Saale) für die SPD bei der Bundestagswahl an. Der gebürtige Senegalese hat wegen seines hohen Listenplatzes gute Chancen als erster schwarzer Abgeordneter in den Bundestag einzuziehen. Migranten sind im Bundestag nach wie vor unterrepräsentiert. Dabei ist ihr Interesse an Politik sogar im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt höher.

Karamba Diaby ist schwarz. Er möchte jedoch nicht, dass bei seiner Kandidatur zum Bundestag seine Hautfarbe im Mittelpunkt steht, sondern Inhalte. „Ich will nicht dafür berühmt sein, dass ich schwarz bin“, sagt Diaby der „Zeit“.

Dass der Doktor der Chemie, der seinem Job als Referent beim Ministerium für Arbeit und Soziales in Sachsen-Anhalt nachgeht, von vielen Medien als „exotisches“ Paradebeispiel gelungener Integration inszeniert wird, kann er nicht verhindern. „Ich möchte, dass über Integration gesprochen wird und nicht über die Migranten“, sagt er Fox News.

Laut einer Studie des BaMF gleicht sich das politische Interesse von Migranten mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Deutschland dem Gesamtniveau der Bevölkerung an. Bei Migranten der dritten Genration und deutschem Pass ist das politische Interesse sogar höher als im Bevölkerungsdurschnitt. Umso erstaunlicher ist es dann, dass der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung 2011 bei 19,5 % , wohingegen der Anteil der Bundestagskandidaten mit Migrationshintergrund 4 % beträgt. Offensichtlich schaffen es die Parteien nur bedingt Migranten an sich zu binden und in die Parlamente zu schicken.

Der Mediendienst Integration geht von 15-20 Kandidaten aus, die auch einen tatsächlich aussichtsreichen Listenplatz oder Wahlkreis haben. Bei den Grünen sind mit 23 die meisten, bei der CDU mit 6 die wenigsten Migranten vertreten. SPD und Linke liegen gleichauf mit 18 Kandidaten; die FDP stellt 9 Abgeordnete mit Migrationshintergrund auf.

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