Syrische Flüchtlinge: Türkische Ärzte fürchten neue Epidemien

Die Türkische Ärztevereinigung (TBB) sorgt sich um die medizinische Situation an der türkisch-syrischen Grenze. Einige Krankheiten, die in der Türkei verschwunden sind, wie etwa Typhus, Masern, Tuberkulose und Malaria könnten das Land schon bald erneut heimsuchen. Auch das Thema Waffen werde zunehmend zum Problem. Schuld daran seien die Flüchtlingsströme aus Syrien.

Die Türkische Ärztevereinigung (TBB) fürchtet das erneute Einschleppen von bereits erfolgreich bekämpften Krankenheiten in die Türkei. Vor allem in Kilis und Reyhanlı, so die Fachleute, sei das Risiko hoch, dass es zu einer Hepatitis A-Epidemie oder einer Ausbreitung von Varizellen, Masern und Leishmanien komme. Geschuldet sei diese Entwicklung den nach wie vor zahlreich einströmenden Flüchtlingen aus dem benachbarten Syrien.

„Ein Überwachungsprogramm für Infektionskrankheiten bei den Flüchtlingen und den türkischen Anwohnern ist sofort erfoderlich“, so die Ärztevereinigung. Diese mag derzeit nicht ausschließen, dass es selbst in Istanbul wieder zu einem Ausbruch von Masern kommen könnte. Die TTB verwies zudem auf die verstärkte Präsenz von Tuberkulose. Umgehend sollten die Behörden nun Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Sicherheitsrisiko bewaffnete Patienten

Ein besonders hohes Risiko stellte nach Ansicht der Mediziner auch der ungehinderte Grenzverkehr dar. Demnach könnten Fahrzeuge mit bewaffneten Syrern die türkische Grenze frei überqueren. Ebenfalls Sorge würden ihnen in diesem Zusammenhang das gelegentliche Auffinden explosiver Stoffe an Patienten aus dem Konfliktgebiet bereiten. Dies sei ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für Ärzte und Mitarbeiter.

Zudem sei es einigen Syrern vor allem in Antakya bereits gelungen, sich als Ärzte auszugeben und so bis in die Intensivstationen und ganze medizinische Einheiten zu gelangen. Bereits im Sommer 2012 gab es Berichte, wonach die Versorgung zusehends an ihre Grenzen stoße (mehr hier). Das zu verhindern, sei den Sanitätsoffizieren auf Grund der drohenden Haltung der Leute bisher kaum gelungen. Nicht selten würde dem medizinischen Personal darüber hinaus vorgeworfen, keine ausreichende Versorgung für Flüchtlinge wegen der ethnischen Unterschiede zukommen zu lassen. Genau solche Argumentationen führten jedoch zu einer weiteren ethnischen Polarisierung in der Region, die bereits sehr sensibel auf dieses Thema reagiere. Dementsprechend sei es dringend notwendig, Vorkehrungen zu treffen, um die Patienten und deren Angehörige im Triagebereich nahe der Grenze zu entwaffnen. Auch in den Flüchtlingslagern kommt es immer wieder zu Gewalt (mehr hier).

Illegale medizinische Einrichtungen

Ein Dorn im Auge sind der TBB aber auch die zahlreichen nicht-lizensierten Gesundheitszentren, in der hauptsächlich syrisches Personal agiere. Diese Einrichtungen müssten genau inspiziert und überprüft werden.

Dem Bericht zugrunde liegen Befragungen des staatlichen Krankenhauses von Kilis, des Krankenhauses von Gaziantep, des staatlichen Hospitals von Hatay sowie der Klinik in Reyhanlı.

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