Gezi-Park-Proteste: Jetzt soll Deutschland schuld sein

Burhan Kuzu, AKP-Abgeordneter und Vorsitzender des parlamentarischen Verfassungsausschusses, ist der Ansicht, dass die Bundesrepublik bei den Gezi-Park-Protesten ihre Hände im Spiel hatte. Angeblich wolle Deutschland auf diesem Weg der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei schaden und den Bau des dritten Istanbuler Flughafens verhindern.

Nach Ansicht des türkischen AKP-Abgeordneten Burhan Kuzu soll sich Deutschland in die seit Ende Mai andauernden Gezi-Park-Proteste eingemischt haben. Das Ziel war es seiner Ansicht nach der türkischen Wirtschaft zu schaden und eines der ambitioniertesten Projekte des Landes zu verhindern: Den Bau des dritten Istanbuler Flughafens, der bei Fertigstellung immerhin der größte Airport der Welt sein soll. Belege hierfür lieferte er allerdings nicht.

Deutscher Neid auf Istanbuler Flughafen?

Wenn der Bau des dritten Flughafens einmal abgeschlossen sei, so Kuzu, dann habe dieser eine höhere Kapazität als der in Frankfurt am Main (mehr hier). „Deutschland und seine Agenten haben sich ernsthaft in die Gezi-Park-Proteste eingemischt. Ich habe keine Angst, das auszusprechen. Die gleichen Szenarien spielen sich immer noch in anderen Ländern ab“, zitiert die türkische Zaman den Politiker. Deutschland, erklärte er am vergangenen Sonntag der Presse in Edirne, wolle keine entwickelte Türkei. Konkreter wurde er dann allerdings nicht.

Der dritte Istanbuler Flughafen, der zwischen Yeniköy und Akpınar entsteht, soll nach Angaben von Transportminister Binali Yıldırım gut 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Bekannt wurden die Pläne zu diesem unter Umweltschützern hoch umstrittenen Projekt bereits im Sommer vergangenen Jahres (mehr hier). Derzeit geht man davon aus, dass bereits 2017 der Betrieb aufgenommen wird. Die jährliche Passagier-Kapazität soll zunächst bei etwa 90 Millionen Fluggästen pro Jahr liegen und sich im Laufe der Zeit auf gut 150 Millionen steigern. Gleichzeitig soll in der Gegend auch eine Satelittenstadt für gut 1,5 Millionen Menschen entstehen (mehr hier). Daneben gibt es Pläne für eine dritte Bosporus-Brücke und ein neues Straßennetz, um die Region İstanbul und Asien stärker zu verbinden.

MİT untersucht Gezi-Verbindungen zum Ausland

Die Verschwörungstheorien von Burhan Kuzu sind nicht neu: Bereits Ende Juni dieses Jahres wurde bekannt, dass sich der türkische Geheimdienst (MİT) in die Gezi-Park-Proteste eingeschaltet hat, um vermeintliche Verbindungen zum Ausland zu untersuchen. Im Laufe der seit Ende Mai andauernden Proteste war es vor allem der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan, der immer wieder derartige Komplott-Theorien vorgebracht hat. Zusätzlich angeheizt wurde die Stimmung durch entsprechende Berichte regierungstreuer Medien (mehr hier).

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