„Gegen die eigene Abgründe kämpfen“: Deutschlands älteste Moschee steht in Berlin

Seit nunmehr 90 Jahren besteht die Lahore-Ahmadiyya-Gemeinde samt Moschee in Berlin Wilmersdorf. Das religiöse Zentrum dieser muslimischen Glaubensrichtung hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seine Aufgabe sieht der Imam der Moschee im Predigen eines friedvollen Glaubens.

Die Grundsteinlegung der Moschee, die dem Taj-Mahal in Indien nachempfunden ist, erfolgte 1923. Seit der Fertigstellung 1928 hält der Imam seine Predigten ausschließlich in deutscher Sprache ab. Auf das Bestreben einiger Gemeindemitglieder hin entstand in den 30er Jahren eine erste kommentierte Fassung des Koran in deutscher Sprache.

Während des Zweiten Weltkriegs ging die Originalversion der Koranübersetzung verloren und auch die Moschee wurde zu großen Teilen zerstört. Spenden der Alliierten, der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Pakistan und Mittel des Berliner Denkmalschutzes verhalfen der Gemeinde zum Wiederaufbau ihres Gotteshauses. Durch die Zuwanderung weiterer Muslime konnte das Gemeindeleben aufrechterhalten werden, denn in Berlin leben nur wenige Lahore-Ahmadiyya.

Im April diesen Jahres geriet die Moschee in den Fokus der Öffentlichkeit, weil Femen-Aktivistinnen vor der Moschee protestierten. Die Frauen protestierten mit dem „Topless Jihad Day“ für die Freiheit der Frau in islamischen Ländern. Da die Gemeinde auch unter Muslimen als sehr moderat gilt, erhielten sie dafür allerdings nicht viel Zuspruch.

„Wir leben hier einen Islam, der niemanden ausgrenzt. Frauen und Männer, Sunniten, Schiiten und Ahmadiyyas beten zusammen. Jihad bedeutet für mich, gegen sich selbst, seine eigenen Abgründe zu kämpfen“, so der Imam Ahmet Saadat.

Seit 2010 finden wieder regelmäßige Freitagsgebete statt, die vom Imam geleitet werden. Darüber hinaus werden religiöse Feste gefeiert und ein Seminar zur Einführung in den Islam angeboten. „In diesem Seminar sitzen zwanzig Studenten. Nicht alle sind Moslems und das ist auch kein Korankurs. Ich versuche den Studenten die Prinzipien des Islams näherzubringen“, sagt Saadat. Ein besonderes Fest sei zum Jubiläum aber nicht geplant. Am 17. August findet in Berlin die „Lange Nacht der Religionen“ statt, an der auch die Moschee teilnehme.

Die Lahore-Ahmadiyyas sind aus einem theologischen Streit mit der Ahmadiyya-Jamaat hervorgegangen. Sie verstehen im Gegensatz zur traditionellen Lehre den Begründer der Ahmadiyya-Religion, Mirza Ghulam Ahmad, nicht als Propheten, sondern als Reformer. Bis heute sind einige muslimische Gruppierungen der Ansicht, Ahmadiyya seien keine Muslime, weil nach Mohammed noch ein weiterer Prophet verehrt werde. In vielen muslimischen Ländern werden Ahmadiyya deshalb verfolgt.

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