Ehrendoktorwürde aus der Türkei: Ein unlauterer Wettbewerbsvorteil?

Das Landgericht Stuttgart muss sich derzeit mit einer ungewöhnlichen Streitigkeit unter Anwälten befassen. Es gilt zu klären, ob eine Professoren- und Ehrendoktorenwürde aus der Türkei den Wettbewerb unter deutschen Juristen verzerrt. Ein Urteil wird für Ende August erwartet.

Ein bereits vor Jahren vergebener Ehrentitel der Yeditepe-Universität Istanbul hat jetzt für derart heftigen Streit unter zwei Anwälten gesorgt, dass der Fall vor dem Stuttgarter Landgericht gelandet ist. Bis Ende dieses Monats soll ein Richter der Kammer für Handelsrecht entscheiden, ob der Titel „Prof. Dr. h.c. Dr. iur.“ zu einer Verzerrung des Wettbewerbs unter den Kollegen führt.

Nur Sternchen verweisen auf türkische Herkunft

Dass der Anwalt aus Schorndorf den Titel tatsächlich bekommen hat, so berichtet die Waiblinger Kreiszeitung, ist zwar unstrittig. Anstößig ist für die gegnerische Seite allerdings der Umstand, dass der Schorndorfer nach Ansicht des klagenden Kollegen nicht deutlich genug auf die Herkunft der Ehrentitel aufmerksam macht. Verwendet werde dieser demnach auf Briefkopf und Visitenkarte. Aber er „verweist nur per Sternchen und Fußnote auf die ausländische Herkunft dieser hohen Auszeichnungen“. Dadurch, so die Argumentation, verschaffe er sich nun einen Vorteil im Kampf um Mandanten.

Eigentlich, so heißt es weiter, würde der zuständige Richter am liebsten gar kein Urteil fällen und einen Kompromiss zwischen den Streithähnen herbeiführen. Darüber hinaus sei ohnehin fraglich, ob die beiden Parteien überhaupt miteinander streiten dürften. So handle es sich bei dem Träger der türkischen Ehrentitel nämlich um einen Spezialisten für Ausländerrecht. Die gegnerische Seite befasst sich hingegen mit Medien- und Urheberrecht. Wo hier also eine direkte Konkurrenz vorliegen soll, erscheint fraglich. Auf der anderen Seite muss jedoch auch das Landeshochschulgesetz beachtet werden. Dies besage, so das Blatt weiter, wer einen „ausländischen Hochschulgrad“ führe, müsse dies auch „unter Angabe der verleihenden Hochschule“ tun.

Wie präzise muss der Titel sein?

Die Situation scheint verzwickt: Der Vorschlag des Richters, den Titel künftig mit „Prof. (Yeditepe Univ. Istanbul) Dr. h.c. (Yeditepe Univ. Istanbul) Dr. iur.“ anzugeben wird als zu lang abgeschmettert. Der Gegenvorschlag „Prof. Dr. h.c. (Yeditepe Univ. Istanbul) Dr. iur.“ erscheint wiederum dem Richter nicht präzise genug. Nach einigem Hin und Her zeigt sich der Richter mit dem Vorschlag „Prof.* Dr. h.c.* (*Yeditepe Univ. Istanbul) Dr. iur.“ einverstanden, die Gegenseite (natürlich) nicht.

Bis Ende August soll der zuständige Richter nun entscheiden. Dass der Fall damit allerdings erledigt ist, daran glaubt die Waiblinger Kreiszeitung nicht. „Egal, wie er entscheidet – der Verlierer wird wohl den Instanzenweg gehen; zur Not, (…) bis zum Europäischen Gerichtshof.“

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