Schweden hat es vorgemacht: Hat auch Russland bald seine Kirche der Raubkopierer?

In Schweden hat sie es bereits geschafft. Jetzt hofft die Kirche der Kopisten auch auf eine Registrierung in Russland. Wie in Skandinavien, so wollen die Anhänger der neuen Lehre auch vor der russischen Obrigkeit damit argumentieren, dass der Austausch von Daten heilig sei.

Die Anhänger der Kirche der Kopisten wollen nun auch in Russland offiziell anerkannt werden. Bereits um Weihnachten 2011 konnten sie das schwedische Parlament von ihrem Anliegen überzeugen und das Land seither um eine Religion bereichern. In Moskau, Sankt Petersburg, Nizhny Novgorod, Kazan und Chabarowsk wollen die Sympathisanten jetzt ebenfalls ganz offiziell entsprechende Anträge stellen. Ob sie tatsächlich Erfolg haben, scheint jedoch fraglich.

Die hiesige Presse beobachtet die Bestrebungen derzeit mit Argwohn. So wertet etwa Russia Today unter Berufung auf den Vorsitzenden der russischen Piratenpartei Pavel Rassudov das Anliegen der Kopisten als Bemühen, so einen Angriff auf russische Urheberrechtsgesetze starten zu können, die die religiösen Gefühle der Gläubigen beleidigen würden. „Die Registrierung der Kirche wird Jahre dauern. Doch Anhänger der Kirche der Kopisten werden das Recht haben, gegen Anti-Piraten-Gesetze zu klagen“, zitiert RT RAssudov.

Gemäß dem Gesetz „Über die Freiheit des Gewissens und der religiösen Vereinigungen“ haben russische Bürger das Recht, sich obligatorisch in einer religiösen Gruppe ohne offizielle Registrierung zu organisieren. Handelt es sich dabei um nicht weniger als zehn Personen und besteht der Zusammenschluss mindestens seit 15 Jahren, dann kann sie als legale juristische Person registriert werden.

Kopisten treffen den Nerv vieler Russen

Die Kopisten, das muss allerdings auch RT zugestehen, treffen derzeit gleich unter zwei Gesichtspunkten den Nerv der Russen. Zum einen sei im Zuge des Falls der russischen Protestpunkband Pussy Riot bereits im Mai dieses Jahres ein Gesetz verabschiedet worden, das die Beleidigung religiöser Gefühle mit Gefängnis bestraft. Neben der Verschärfung des russischen Blasphemiegesetzes ist auch das neue Anti-Piraterie-Gesetz, das seit vergangenen Donnerstag in Kraft ist, ein Thema. Dieses richtet sich inbesondere gegen die illegale Verbreitung von Filmen und TV-Inhalten. Bei entsprechenden Hinweisen auf Urheberrechtsverletzungen sind Webseiten fortan dazu verpflichtet, die Inhalte zu entfernen. Die Crux: Kommt die Website der Forderung, den geschützten Inhalt herunter zu nehmen, binnen 72 Stunden nicht nach, kann gerichtlich die Blockierung der gesamten IP-Adresse angeordnet werden.

Unterdessen werden allerdings auch Zweifel am potentiellen Erfolg der Kopisten laut. So seien die aktuellen rechtlichen Perspektiven für die Kirche in Russland sehr vage , glauben Experten. Russland sei ein säkularer Staat. Religiöse Organisationen hätten daher keinen ernsthaften Einfluss auf die nationale Gesetzgeber, so der Rechtsexperte Viktor Naumov zur Zeitung Iswestija. Ein direkter Appell an das Verfassungsgericht sei wahrscheinlich die einzige Chance für die Aktivisten, nur diese Instanz könne entscheiden, so Naumov. Darüber hinaus hätte bisher selbst die russische Piratenpartei konsequent die Registrierung verweigert, da die Kopisten in ihren Augen Piraterie, die nach dem Strafgesetzbuch strafbar sei, fördern würden.

Bereits seit Ende 2011 ist das Königreich Schweden offiziell um die Kirche der Kopisten reicher. Anhänger der Gruppe der Informations-Verbreiter wurden dort nach dem dritten Anlauf offiziell als Glaubensgemeinschaft vom Parlament anerkannt. Im Zentrum der Lehre steht das Recht, Daten auszutauschen, das so genannte File-sharing. Die Kirche der Kopisten ist der Überzeugung, dass das „kopyacting“, also der Austausch von Informationen durch Kopie einem religiösen Dienst gleicht.

Für offene Verteilung von Wissen an alle

Die Organisation, für die CTRL+C und CTRL+V (Die Abkürzungen für Copy und Paste) religiöse Symbole sind, setzen sich nicht direkt für die illegale Verbreitung von Daten ein. Vielmehr stehen sie für eine offene Verteilung von Wissen an alle. Religionsgründer ist der Philosophie-Student Isak Gerson. Er ist auch religiöses Oberhaupt. „Für die Kirche der Kopisten sind Informationen heilig. Sie zu verbreiten ist ein Sakrament. Informationen sind an sich wertvoll und durch die Verbreitung wird ihr Wert vermehrt. Daher ist die Verbreitung zentral für die Organisation und ihre Mitglieder“, zitierte ihn die BBC Anfang 2012.

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