Türkische Lager überfüllt: Mehr syrische Flüchtlinge leben außerhalb

Die Anzahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei, die außerhalb der Flüchtlingslager leben, ist mittlerweile größer als die Menge derer, die in den Camps Unterschlupf gefunden haben. Nach Angaben der UN sind im Augenblick mehr als 200.000 von ihnen außerhalb der Lager registriert. 30.000 weitere haben bereits einen entsprechenden Termin.

Diejenigen syrischen Flüchtlinge, die außerhalb der türkischen Flüchtlingslager leben, stellt mittlerweile einen größeren Teil, als jene, die innerhalb der Camps Zuflucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat gefunden haben. Nach Ansicht der Türkei-Vertreterin des Hochkommissariats für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, Carol Batchelor, ist dieser Umstand derzeit die größte Herausforderung für die Türkei, mit den Flüchtlingsströmen im Land umzugehen.

„Es gibt mehr als 200.000 in 20 Flüchtlingslagern in zehn Provinzen. Aber die größte Zahl von Menschen sind nun außerhalb der Lager“, so Batchelor zur türkischen Zeitung Hürriyet. Über 200.000 seien darüber hinaus außerhalb der Lager registriert. Daneben gebe es 30.000, die bereits einen Registrierungstermin hätten und eine weitere Gruppe, die das gerade vorbereiteten. „ Vorübergehende Zuflucht finden sie in Moscheen, in Parks oder in anderen Umstände. Jetzt ist Sommer. Doch was wird wohl im Winter geschehen?“, fragt die UN-Vertreterin.

Neue Flächen für Camps schwierig zu beschaffen

Ein Problem, so Batchelor, seien die mittlerweile völlig überfüllten Lager. Ihrer Ansicht nach würden noch etwa 30 weitere Einrichtungen gebraucht, um die Menschen aufzunehmen. Entsprechende Gespräche mit den türkischen Behörden hätte es bereits gegeben. Die Schwierigkeit bestünde jedoch darin, entsprechende Flächen aufzutreiben, auf denen immer weitere Camps errichtet werden könnten.

Das UNHCR und die türkische Regierung, so heißt es weiter, arbeiten deshalb derzeit an einem Beihilfen-System für mittellose syrische Flüchtlinge außerhalb der Camps. Batchelor zufolge würden diejenigen, die nicht in der Lage wären, selbst für Miete, Nahrung oder Medizin aufzukommen, entsprechend finanziell unterstützt. In Anbetracht der aktuellen Lage würde man es sogar vorziehen, dass die Leute selbst versuchen würden, eine Unterkunft zu finden, als unbedingt in einem der türkischen Lager unterzukommen. Denn: Je überfüllter die Einrichtungen sind, desto schwieriger wird es auch, diese zu managen.

Bedürftige erhalten außerhalb der Lager Hilfe

Allein stemmen können das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und die türkische Regierung diese Aufgabe allerdings nicht. Hierzu seien Spenden genauso nötig wie ein striktes Registrierungsystem, das feststelle, welche Menschen tatsächlich auf Hilfe angewiesen seien, so Batchelor weiter. Ein entsprechendes Koordinierungszentrum wird von der türkischen Regierung in Gaziantep eingerichtet. 23 mobile Stellen werden vom UNHCR bereitgestellt. Das Ziel ist das Zusammenbringen dieser Stellen mit bereits vorhandenen Einrichtungen, so dass die Bedürftigkeit unmittelbar festgestellt und das Geld ausgezahlt werden kann.

Laut Batchelor geht das Flüchtlingswerk diesen Weg, die Menschen außerhalb von Lagern zu versorgen, weltweit. Der Grund ist ein ganz pragmatischer. „Man kann die Menschen nicht in einem Camp einsperren. Camps haben ihre eigene Dynamik und eigene Herausforderungen.“ Insgesamt gehört die Türkei zu den zehn wichtigsten Zufluchtsorten der Welt (mehr hier).

78 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen

Unter den syrischen Flüchtlingen befinden sich derzeit auch eine Million Kinder, die von den seit März 2011 anhaltenden Unruhen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Insgesamt sind 78 Prozent der Flüchtlinge Frauen. Mehr als die Hälfte sind Kinder. Derzeit stünde man kurz vor der Zwei-Millionen-Marke syrischer Flüchtlinge, die ihr Land verlassen haben. Insgesamt hat Syrien eine Population von rund 20 Millionen Menschen. Die, die Geld haben, investieren derzeit in der Türkei (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Syrische Flüchtlinge: Türkische Ärzte fürchten neue Epidemien
Humanitäre Hilfe 2012: Türkei gibt mehr als eine Milliarde Dollar
Human Rights Watch: Türkei lässt syrische Flüchtlinge nicht ins Land

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.