Islam im Wandel: Umbrüche in der arabischen Welt sind unabhängig von Religion

Der Arabische Frühling habe im Westen große Hoffnungen auf Demokratisierung geweckt. Die Revolutionen würden zeigen, dass der Islam sowohl vom Westen, als auch von Islamisten für politische Ziele benutzt werde. Der Islam als Religion sei aber zu vielfältig, um ganz allgemein von den Muslimen zu sprechen.

Den einen Islam gibt es nicht. Das war die Botschaft, bei der sich Journalisten auf einer Veranstaltung in Berlin schnell einig waren. Alle Muslime über eine Kamm zu scheren, werde der Realität nicht gerecht.

Die Gezi-Park Proteste in der Türkei hätten gezeigt, wie sehr Deutsch-Türken die Politik in der Türkei beschäftigt, so der Blogger und Journalist Eren Güvercin (mehr hier) auf einer Podiumsdiskussion in Berlin. Ob sich der Islam im Wandel befindet und welche Auswirkungen die jüngsten Ereignisse in Ägypten, der Türkei und Syrien haben, diskutierten neben ihm die freie Journalistin Charlotte Wiedemann, Expertin für muslimische Länder, Lehrerin für Islamischen Religionsunterricht, Lamya Kaddor (mehr hier) und Dr. Alexander Kissler, Journalist beim Magazin „Cicero“ unter der Moderation von taz-Redakteur Daniel Bax.

Die Religion sei auch in Syrien zweitrangig, so Kaddor. Dass die Islamisten in Syrien gerade so beliebt sind, liege daran, dass sie der Bevölkerung derzeit als Einzige helfen würde. Die Exil-Syrerin Kaddor sieht darin eine Gefahr. Die Menschen in Syrien seien auf die Nahrungsmittel und Gelder der Islamisten angewiesen. Ihr eigentliches Ziel, die Errichtung eines Gottesstaates, könnten sie damit verschleiern. Es sei zu beobachten, dass auch in Deutschland besonders Salafisten den Islam politisieren, sagt Lamya Kaddor, Lehrerin für Islamischen Religionsunterricht an einer Hauptschule.

Unter Muslimen zu differenzieren würde helfen, Islamfeindlichkeit insgesamt zu bekämpfen. Auch darüber hinaus waren sich die Redner meist einig. Eine kontroverse Diskussion flammte nur kurz auf, als Kissler Antisemitismus bei Muslimen kritisierte, wurde aber schnell vom Rest der Runde abgewürgt. Die Rolle der Frau in muslimischen Gesellschaften wurde jedoch leider auch von der akademischen Runde auf die Kopftuchfrage reduziert.

Die Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin hat am vergangenen Montag zur öffentlichen Diskussion geladen.  Thema war „Islam im Wandel“. Die Expertenrunde befasste sich unter anderem mit dem arabischen Frühling und dessen Auswirkungen auf Muslime in Deutschland.

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