Jetzt auch an Universitäten: Frankreich will Kopftuch und Kippa verbieten

Nachdem 2004 das Tragen religiöser Symbole in Schulen verboten wurde, soll das Verbot nun auf Universitäten ausgedehnt werden. Der Oberste Integrationsrat Frankreichs empfiehlt diesen Schritt, um wachsenden religiösen Spannungen entgegenzuwirken.

Im laizistischen Frankreich soll das Verbot, religiöse Symbole in Schulen zu tragen, bald auch in Universitäten gelten. Das fordert der Oberste Integrationsrat Frankreichs (HCI). Religiös motivierten Spannungen an Universitäten soll damit Einhalt geboten werden.

Demnach seien Forderungen nach Gebetspausen, Geschlechtertrennung in Seminaren oder das Tragen religiöser Symbole nicht mit dem Laizismus Frankreichs vereinbar, berichtet France 24. Ein Bericht des HCI wird im Herbst veröffentlicht und kann dann Grundlage für eine veränderte Gesetzgebung sein.

Der Laizismus hat in Frankreich eine lange Tradition, die bis in das Jahr 1905 zurückreicht. Damals wurde das „Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat“ verabschiedet. Damit war Frankreich der erste Staat auf der Welt, der eine gesetzliche Trennung vorsah.

Speziell in Frankreich wird zwischen dem liberalen und radikalen Laizismus unterschieden. Die liberale Variante konzentriert sich auf die Abtrennung kirchlicher Institutionen von politischer Macht. Der radikale Laizismus fordert darüber hinaus die Verbannung religiöser Aktivitäten in den privaten Bereich. Auch im Arbeitsleben stellen religiöse Symbole, hauptsächlich das Kopftuch, ein Problem für einige französische Arbeitgeber dar (mehr hier).

Laizismus in der Türkei

Auch die Türkei hat das Prinzip des Laizismus seit der Gründung der Republik 1923 in der Verfassung verankert. Der türkische Laizismus ist aber anders ausgestaltet, was allein an der Diyanet İşleri Başkanlığı („Amt für religiöse Angelegenheiten“) deutlich wird. Diese Institution ist mit rund 84.000 Mitarbeitern und einem Budget von knapp 2 Milliarden Lira eine der größten Verwaltungseinrichtungen der Türkei.

Sie bildet Imame aus, verfasst das Freitagsgebet und spricht Fatwas, islamische Rechtsgutachten, aus. Der türkische Laizismus  hat die Kontrolle der Religion durch den Staat zum Ziel und gerade nicht die Trennung der beiden Sphären, wie in Frankreich.

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