Erdoğan setzt sich durch: Umstrittenes Moscheeprojekt in Istanbul hat begonnen

Die Kritiker des gigantischen Moscheeprojekts in Üsküdar haben sich nicht durchsetzen können. Auf dem höchsten Berg des Stadtteils, dem Çamlıca, entsteht eine neue Mega-Moschee. Am Dienstag fiel der Startschuss zu Erdoğans Vorzeigebau.

In einer feierlichen Zeremonie gab am vergangenen Dienstag der Minister für Umwelt und Stadtplanung, Erdoğan Bayraktar, gemeinsam mit anderen hochrangingen Regierungsvertretern den Startschuss zum Bau zur umstrittenen Çamlıca-Moschee auf der anatolischen Seite Istanbuls. Doch viele Istanbuler fühlen sich von dem Bauprojekt übergangen und kritisieren die mangelnde Transparenz des Vorhabens.

Die Ausmaße der neuen Moschee in der Nähe des Fernsehturms sind beeindruckend: Auf einem 15.000 Quadratmeter großen Areal soll ein Gebäude entstehen, das künftig von allen Teilen Istanbuls aus zu sehen sein wird. Der Ankündigung von Erdoğan am 29. Mai vergangenen Jahres folgten sogleich weitere Schritte, um das Mega-Projekt tatsächlich Realität werden zu lassen. So wurde unter anderem Hacı Mehmet Güner, bisher Direktor für öffentliche Bauarbeiten in der Gemeinde Kahramanmaraş, zum architektonischen Leiter des Bauvorhabens bestellt. Das Ziel: Das Bauwerk, das Platz für gut 30.000 Menschen bieten wird, soll die höchsten Minarette der Welt erhalten (mehr hier).

Mangelnde Transparenz und Beratung

Auf Gegenliebe stößt das Vorhaben, das auf einer Gesamtfläche von 57.511 Quadratmetern weitere Bauten einschließt, jedoch nicht bei allen. Immer wieder, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, gerieten Regierung und Gegner des Projekts aneinander. Kritisiert werde vor allem die mangelnde Transparenz und Beratung. Nicht wenige Bürger in Istanbul, so heißt es, fühlten sich übergangen. Oftmals vorgebracht worden sei unter anderem die Sorge, dass durch den gigantischen Bau die Silhouette Istanbuls schwer beschädigt würde.

Der türkischen Regierung geht es aber offenbar um etwas anderes. Wie Minister Bayraktar selbst während der feierlichen Zeremonie zugestand, stünde hier der Eintrag in den Geschichtsbüchern im Vordergrund. Immerhin wäre der Bau nach seiner Fertigstellung eine Art Symbol für die gesamte islamische Welt. Dazu würden nun auch störende Sendermasten und weitere technische Anlagen entfernt und stattdessen eine umfassende Begrünung des Hügels gestartet.

Schon jetzt über 3000 Moscheen in Istanbul

Ob es das Monument tatsächlich gebraucht hätte, scheint fraglich. Innerhalb der 5.512 Quadratkilometer großen Stadt sind Moscheen schon jetzt keine “Mangelware”. Den rund 13 Millionen Einwohner und unzähligen Touristen stehen neben der weltbekannten Hagia Sophia oder der Blauen Moschee, 40 Kirchen, 16 Synagogen und ganze 3028 Moscheen zur Verfügung (mehr hier). Wie sich die Situation einer Minderheitenkirche in der Türkei darstellt, darüber sprachen die DTN mit der ersten deutschen Pfarrerin vor Ort (mehr hier).

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