„Schule ohne Rassismus“: Erstmals Handreichung für Lehrer entwickelt

Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hat eine Handreichung zum Thema „Rassismus“ herausgeben. Es soll das erste Themenheft dieser Art sein. Nachgegangen wird unter anderem der Frage, was Lehrer und Schüler dagegen tun können, wenn sie mit entsprechenden Aussagen oder Situationen konfrontiert werden.

Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beschäftigt sich in einer neuen Publikation mit Rassismus im heutigen Deutschland. Thematisiert wird in „Rassismus erkennen & bekämpfen“ unter anderem die Frage, in welchen Ausprägungen und Lebensbereichen er heute in der Bundesrepublik anzutreffen ist. Aber auch der Umgang von Lehrern und Schülern mit diesem Thema.

Soweit ihnen bekannt sei, sei das die erste Handreichung zu dem Thema, so der Mediendienst Integration zum neuen Themenheft. Geboten werden über sechs Kapitel hinweg Hintergrundwissen zu theoretischen und aktuellen Fragen. Im Fokus stünde, so heißt es von Seiten „Schule ohne Rassismus“, der alltägliche Rassismus. Mit dem Heft wolle man dazu beitragen, problematische Denk- und Argumentationsmuster zu erkennen und beim Namen zu nennen.

Rassismus nicht nur ein Problem des Rechtsextremismus

Die Intention: „In diesem Themenheft zeigen wir, dass diese gefährliche Ideologie weder vom Himmel gefallen ist, noch es in der Natur der Menschen liegt, zwangsläufig rassistisch zu denken und zu handeln.“ Denn: Rassismus sei eben nicht nur ein Problem des Rechtsextremismus.  Rassistisches Denken und Handeln sei auch in der Mitte der Gesellschaft tief verwurzelt. Rassismus begegne uns in der Politik, den Bildungseinrichtungen, in der Polizei, an den Universitäten, im Alltag, der Werbung, den Medien, dem Sport, in der Ökonomie, im Internet und in der Literatur.

„Neuer Rassismus“ seit den 1960er Jahren

Den Einstieg bildet eine Definition von Rassismus als Legitimierung von Macht. Die Autoren gehen zudem auf die biologische Debatte ein und argumentieren dagegen, dass Unterschiede zwischen den Menschen nach dem Zufallsprinzip verteilt seien. Darüber hinaus beschäftigen sie sich in einem kurzen historischen Rückblick mit Sklaverei und Rassismus. Für viele Menschen sind Sklaverei und Rassismus ein und dasselbe. Historisch betrachtet ist das allerdings nicht korrekt. Wesentlich für das heutige Verständnis von Rassismus, auch in Deutschland, sei vielmehr „das Erbe des Kolonialismus“ und der Rassismus im Nationalsozialismus. Bereits seit den 1960er Jahren würde sich jedoch ein „neuer Rassismus“ entwickeln, der den „klassischen Rassismus“ ablöse. Hierzu wird erklärt:

„Statt verschiedener Rassen werden kulturelle und ethnische Gruppen definiert – die sich allerdings nicht mischen sollen. Neorassisten haben nichts gegen Türken, Libanesen, Tunesier, so lange sie in ihrem eigenen Land leben. Die Vermischung schade der eigenen kulturellen Identität.“

Jüngstes Beispiel für eine solche Rhetorik sei das Bekanntwerden von einem Geheimdokument mit Aussagen von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl von 1982 (mehr hier). „Kanzler Kohl sagte, […] Über die nächsten vier Jahre werde es notwendig sein, die Zahl der Türken um 50 Prozent zu reduzieren – aber er könne dies noch nicht öffentlich sagen“, zitiert Spiegel Online aus dem Gesprächsprotokoll vom 28. Oktober 1982. Mit Portugiesen oder Südostasiaten habe Deutschland keine Probleme. Diese würden sich schnell anpassen. Deutschland habe sogar elf Millionen Deutsche aus Osteuropa integrieren können. Doch bei den Türken liege die Sache anders. Die kämen aus einer ganz anderen Kultur. Ähnlich äußerte sich auch Altkanzler Helmut Schmidt (mehr hier).

Entstanden ist das Papier im Rahmen der Xenos-Maßnahme „Informieren und qualifizieren“.

Mehr zum Thema:

Judenwitze und Hitlervere​hrung: Justiz prüft Verfahren gegen katholisch​e Studenten
Achtes Land an Bord: Baden-Württemberg ist jetzt Teil der „Koalition gegen Diskriminierung“
„Gemüseverkäufer“ bei der Polizei: Rechte Partei hetzt gegen Deutsch-Türken

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.