Erdoğan gegen die Wirtschaftselite: Rüstungsauftrag für Koç-Gruppe wird annuliert

Die Koç-Gruppe wird auf ein milliardenschweres Rüstungsprojekt verzichten müssen. Die Erdoğan-Regierung hat nach eingehenden Beschwerden die Vergabe des Staats-Auftrags rückgängig gemacht. AKP-Kritiker vermuten eine Strafmaßnahme gegen das Erdoğan-kritische Unternehmen.

Die Koç-Tochter RMK Marine muss offenbar auf einen 1,1 Milliarden Euro schweren staatlichen Rüstungsauftrag verzichten. Die türkische Regierung soll den Auftrag zum Bau von sechs Kriegsschiffen im Rahmen des Nationalen Marine-Projekts (MilGem) annuliert haben.

Zuvor sollen sich fünf potentielle Mitbewerber bei der Regierung über Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Auftrags beschwert haben. Es soll eine neue Ausschreibung stattfinden, berichtet das Onlineportal Patronlar Dünyasi.

Ende Juli fanden Razzien der türkischen Finanzbehörde bei den Koç-Töchtern Aygaz, Tüpraş und OPET statt. Ihnen wird illegaler Energieträgerhandel und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Untersuchungen sollen zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern.

Sollten Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen oder anderweitige rechtswidrige Vorkommnisse nachgewiesen werden, droht der Koç-Holding neben hohen Geldstrafen auch der Entzug der Erdöl- und Erdgaslizenzen (mehr hier). Angehörige der Koç-Familie gehörten zu den Unterstützern der Gezi-Park Proteste.

Regierungskritiker vermuten hinter sowohl den Razzien bei den Koç-Töchtern als auch in der Annulierung des MilGem-Projekts einen „Rachefeldzug“ Erdoğans gegen die Koç-Gruppe.

Doch die Istanbuler Koç-Gruppe wird  von islamisch-konservativen Unternehmern in Schutz genommen. Mustafa Boydak ist einer von ihnen. Er ist unzufrieden mit der aktuellen Steuerfahndung gegen die Koç Holding. Denn er halte nicht viel vom Freund-Feind-Denken in der freien Wirtschaft (mehr hier).

Hinreichende Beweise für einen „Rachefeldzug“-Vorwurf liegen nicht vor.

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