Angriff auf Merkur: Halal-Angebot bringt Tierschützer und Islamhasser auf die Barrikaden

Die österreichische Verbrauchermarktkette Merkur ruft derzeit Tierschützer und Islamhasser gleichermaßen auf den Plan. Grund des kollektiven Unmuts: Das Unternehmen, das zur Rewe International AG gehört, hält seit kurzem zertifiziertes Halal-Fleisch für seine Kunden bereit. Eine Stellungnahme hat jetzt zu einer heftigen Facebook-Debatte geführt.

Noch ist der Markt für Halal-Produkte eine Nische. Die österreichische Kette Merkur ist bereits auf den Zug aufgesprungen. Seit kurzem bietet das 1969 gegründete Unternehmen zertifiziertes Halal-Fleisch an. Auf Wohlwollen trifft dieser Vorstoß jedoch nicht bei allen. Via Facebook hat Merkur jetzt auf Kritik reagiert. Das Ergebnis: Die Stellungnahme hat Tierschützer und Islamhasser auf den Plan gerufen und die Stimmung so noch einmal zugespitzt.

Die Vorwürfe, die Merkur mit der Einführung der zertifizierten Halal-Produkte entgegengebracht wurden, wiegen schwer. Ohne Betäubung, so berichtet der Standard, sollen die Tiere geschächtet worden sein. Auf sich sitzen lassen wollte Merkur das natürlich nicht. Immerhin: In Österreich schreibt das Tierschutzgesetz zwingend vor, dass Tiere unmittelbar nach dem Schächtschnitt wirksam betäubt werden. Darüber hinaus dürfen Schächtungen nur in einem dafür zertifizierten Schlachthof unter Beisein eines Tierarztes stattfinden.

Betäubung vor dem Entblutestich

Das weiß auch Merkur. In einer auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme erklärt das Unternehmen deshalb am vergangenen Dienstag:

„Halal-Fleisch bei MERKUR wird nicht durch betäubungsloses Schächten gewonnen, wie dies auf unserer Facebook-Seite mitunter gepostet wurde. Die Tiere werden unter strengster Einhaltung sämtlicher tierschutzrechtlicher Bestimmungen vor dem Entblutestich betäubt.“

Zudem stellt das Unternehmen heraus: Der Entblutungsstich werde, nachdem das Tier betäubt wurde, nicht von einem Metzger, sondern von einem zertifizierten Vertreter der Glaubensgemeinschaft durchgeführt. Die Betäubung, so heißt es weiter, erfolge bei der Fa. Grossfurtner, welche die Betäubungseinrichtungen in Zusammenarbeit mit dem BSI Schwarzenbeck (Beratungs- und Schulungsinstitut für Tierschutz bei Transport und Schlachtung) „entsprechend den modernsten Kenntnissen einer möglichst tierschutzgerechten Schlachtung“ gestaltet habe. Verwiesen wird anschließend auf weiterführende Informationen von Grossfurtner und Schwarzenbeck zum Thema.

Tief gespaltene Facebook-Lager

Doch statt für Entspannung zu sorgen, erreichte Merkur mit seinen Zeilen das Gegenteil. Noch immer liefern sich Gegner und Befürworter des Angebots unter dem Facebook-Posting heftige Wortwechsel. Dazu gibt es einschlägige YouTube-Videos, die bildgewaltig vor Augen führen sollen, um was es sich beim Schächten tatsächlich handelt. Einen Konsens erreichen die Diskutanten im Internet, wie im realen Leben, kaum. Ein Beispiel:

„merkur ist damit nicht nur hochgradig archaisch, tier- und menschenfeindlich, sondern wertet archaische gebaeuche auf. ab jetzt wird merkus ueberall genannt, wo die verbrechen „schaechten von tieren“ angeprangert werden. unnoetig zu erwaehnen, dass man bei solchen strukturen nicht mehr kaufen sollte. gehts eigentlich noch?“

Ein anderer sieht den Sachverhalt völlig anders:

„Geht’s noch? Fetten Burger bei Mc’D essen, schauen ob man s’Schnitzi mit Pommes nicht irgendwo um € 5,00 bekommt, Fleisch nur an der Theke oder beim Metzger ums Eck kaufen, weils dann automatisch von glücklichen Tieren kommt (bin mir sicher, dass egal ob Bio oder Massentierhaltung die Tiere jubeln vor Freude wenn’s ihnen an den Kragen geht) ABER motzen, weil wir so tief gesunken sind Nahrungsmittel für andere Kulturen und Religionen in unseren Supermärkten zu verkaufen? Alter Schwede!!! Mögt ihr eigentlich Curry? Kokosmilch? Sojasauce? Ach und denkt ihr ERNSTHAFT, dass es Tieren die von Christen gegessen werden besser geht???
Das man dieses Thema nützt um seine rassistische Gesinnung kundzutun find ich echt unglaublich.“

Wie Merkur auf den Shitstorm letztlich reagieren wird, ist offen. Noch kämpfen die Administratoren mit der nicht immer angemessenen Wortwahl der Kommentatoren. Wie das enden kann, das bewies immerhin erst kürzlich der Fall einer 61-jährigen Wienerin (mehr hier). Derweil tun sich jedoch schon die nächsten argumentativen „Nebenkriegsschauplätze“ abseits von Tierschutz und Islamhass auf: Jetzt geht es um die bösen Verführungen des Kapitalismus.

Denn der Vertrieb von Halal-Produkten bei Einzelhandelsketten führe zu großen Einbußen bei muslimischen Einzelhändlern. Muslimischen Läden werde somit die Kundschaft entzogen, so der Gedankengang von Cahit Kaya.

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