Drei Kinder pro Familie: Erdoğan fühlt sich völlig missverstanden

Plötzlich soll alles gar nicht so gemeint sein. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat türkische Frauen wiederholt aufgefordert, mindestens drei Kinder zu bekommen. Eine Einmischung in das Privatleben sei das aber nicht, sondern nur ein Rat.

„Heiratet und bekommt Kinder!“: Aufforderungen dieser Art waren vom türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan in letzter Zeit häufiger zu hören. Kaiserschnitt, Abtreibung, Familienplanung – mit seinen Ansichten zu diesen Themen sorgte er für teils heftige Kontroversen. Seine Kritiker warfen ihm wiederholte Einmischung in das Privatleben der türkischen Bürger ein. Davon will der aber nichts wissen. Andere täten das schließlich auch.

Drei Kinder sind keine gesetzliche Pflicht

„Sie sagen, ich mische mich in ihr Leben ein, wenn ich Frauen dazu aufrufe, mindestens drei Kinder zu bekommen. Doch wir haben das nicht zu einer rechtlichen Verpflichtung gemacht. Es ist nur ein Vorschlag“, zitiert die türkische Zeitung Zaman den Premier. Er selbst empfehle jedoch drei Kinder zu haben. Das sei sein natürliches Recht. Deswegen halte man aber niemandem eine Waffe an den Kopf, so Erdoğan zu Anhängern seiner AKP.

Putin darf es, Erdoğan nicht?

Zu untermauern sucht Erdoğan seine Argumentation mit einem Verweis auf Wladimir Putin. Der hegt auf Grund der demographischen Misere in Russland ganz ähnliche Gedankengänge. Um der Überalterung der russischen Gesellschaft und einem langfristigen Bevölkerungsrückgang zu entgehen, rief er die Familien des Landes bereits Ende Dezember vergangenen Jahres dazu auf, sich für ein drittes Kind zu entscheiden. In der ersten Regierungserklärung seit seiner Rückkehr in den Kreml machte Putin deutlich, dass Russland seit dem Zusammenbruch der UDSSR zwar Fortschritte im Kampf gegen die demographische Entwicklung mache. Jetzt sollte es seiner Ansicht nach allerdings zur „Norm“ werden, dass russische Familien drei Kinder hätten. (mehr hier). „Es ist okay, wenn [Wladimir] Putin das in Russland sagt. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn Erdoğan das in der Türkei sagt? Wie konnte das passieren?“, so der türkische Premier an diesem Donnerstag.

Auch Ministerpräsident Erdoğan hat bereits mehrmals seine Besorgnis über die immer älter werdende Bevölkerung in der Türkei zum Ausdruck gebracht. Es gab sogar Überlegungen, eine Art Preis für ein drittes Kind auszuloben. Wie der Westen wolle man schließlich nicht enden (mehr hier).

Türkei soll nicht wie Deutschland enden

Paradebeispiel, wie es in der Türkei nicht laufen sollte, dürfte für den türkischen Premier unter anderem die Bundesrepublik sein. Hier brachte eine Frau 2011 im Schnitt gerade einmal 1,36 Kinder zur Welt. Im Jahr zuvor waren es noch 1,39 Kinder. Demgegenüber gaben die Eltern durchschnittlich sage und schreibe 120.000 Euro bis zur Volljährigkeit des Nachwuchses aus. Zudem würden die Frauen immer älter. Ein Ende der Abwärtsspirale scheint jedoch noch nicht erreicht. Denn: „Voraussichtlich wird die endgültige Kinderzahl je Frau in den nächsten Jahren weiter abnehmen“, heißt es hierzu bei Destatis.

Mehr zum Thema:

Vorbild EU: Türkischer Kinderanteil wird signifikant fallen
Geburtenrate: Türkische Familien werden immer kleiner
Erdoğan kennt keine Privatsphäre: „Heiratet und bekommt Kinder!“

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.