Alkohol- und Drogensucht: Türkische Behörden zahlen jetzt sämtliche Therapiekosten

Die Türkei bündelt künftig ihre Kräfte bei der Bekämpfung von Alkohol- und Drogensucht. Im Rahmen einer neuen Initiative des Gesundheitsministeriums und der Sozialversicherungsanstalt (SGK) wird der Staat nun die gesamten Kosten für entsprechende Therapien übernehmen. Auch die Angehörigen werden stärker einbezogen.

In Zukunft wird die türkische Sozialversicherungsanstalt (SGK) nicht mehr nur zum Teil für die Behandlung Alkohol- und Drogenabhängiger aufkommen. In Kooperation mit dem hiesigen Gesundheitsministerium sollen fortan sämtliche anfallenden Kosten bezahlt werden. Im Rahmen der Initiative übernimmt die SGK Behandlungen von Alkohol-und Drogenabhängigen sowohl in öffentlichen als auch privaten Einrichtungen.

Unter dem bisherigen System waren entsprechende Behandlungen nur in speziellen Therapie-und Bildungszentren (AMATEM) innerhalb der Türkei möglich. Doch nachkommen konnten die Einrichtungen dem vorhandenen Bedarf an Therapieplätzen nicht. Nun sollen auch öffentliche und private Krankenhäuser in die Behandlung von Alkohol-und Drogenabhängigkeit einsteigen und so den Weg für eine kostenlose Behandlung von noch mehr Süchtigen ebnen.

Familien der Abhängigen werden künftig einbezogen

Im Rahmen der neuen Initiative der SGK und des Gesundheitsministeriums, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, können öffentliche, private und Universitätskliniken Alkohol-oder Drogenabhängigen künftig Rechnungen für jede medikamentöse Therapie, medizinische Untersuchung oder Tests ausstellen. Erstattet werden diese den Hospitälern später dann vom Staat.

Darüber hinaus, so heißt es weiter, habe das Gesundheitsministerium Schritte unternommen, um Alkohol- und Drogenabhängige vor einem Rückfall zu bewahren. Hierzu habe das Ministerium einige Änderungen an seiner Verordnung für Suchtzentren vorgenommen. Demnach würden die AMATEM-Zentren lebenslange Begleitung für all jene anbieten, die bereits erfolgreich eine Therapie abgeschlossen haben. Die Patienten würden in regelmäßigen Abständen durch AMATEM überwacht, um sicherzustellen, dass sie nicht zurück in die Sucht fielen. In Deutschland erhalten Suchtkranke hingegen zu wenig Unterstützung (mehr hier).

Abhängige werden lebenslang begleitet

Die Therapie besteht in der Türkei aus mehreren Phasen. Am Anfang steht eine rund einmonatige Entgiftung. Im Anschluss stehen für 15 Monate eine soziale Rehabilitation und medizinische Behandlung in den AMATEM-Zentren auf dem Programm. Neu ist nun nicht nur die lebenslange Überwachung im Anschluss an diese Zeit, sondern auch die Einbeziehung der Angehörigen. Während die Patienten über ihre Sucht informiert werden und lernen, wie sie ihrer Sucht widerstehen können, werden die Familienangehörigen beraten, wie sie mit den Kranken künftig umgehen sollen und zu dessen Wiederherstellung beitragen können.

Jüngster Suchtkranker gerade elf Jahre alt

Wie eine Umfrage der türkischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (TUBİM) aus em Jahr 2010 ergab, würden jährlich rund 200.000 Alkohol- und Drogenabhängige in der Türkei behandelt. Der jüngste in Behandlung befindliche Patient sei demnach gerade einmal elf Jahre alt gewesen, der älteste 65 Jahre. 11,67 Prozent der landesweit 2594 Befragten gaben an, dass sie mit dem Konsum von Suchtmitteln noch vor dem 15. Lebensjahr begonnen hätten. Unterdessen wird Whiskey in der Türkei immer beliebter (mehr hier).

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