Durchbruch in Indien: Chirurg macht Herzoperation bezahlbar

Eine Herzoperation für 600 Euro – was in den Ohren vieler westlicher Ärzte utopisch klingen mag, ist für Devi Shetty ein realistisches Ziel. Schon heute bietet er in seinen indischen Krankenhäusern kardiologische Eingriffe zu einem Bruchteil der im Westen üblichen Preise an.

Devi Shetty will es für Millionen von Indern erschwinglich machen, sich einer Herzoperation zu unterziehen. Shetty ist kein Wohltäter, sondern er handelt vor allem aus wirtschaftlichen Interessen. Der Chirurg und Geschäftsmann führt 21 Krankenhäuser in ganz Indien.

Die Krankenhauskette „Tempel des Herzens“ ist spezialisiert auf Herz-, Hirn- und Nierenoperationen, die auch für Bauern und Arbeiter mit niedrigem Einkommen bezahlbar sind. Die Kosteneinsparung gelingt dabei mit Maßnahmen wie billigerer Operationsbekleidung und dem Weglassen von Klimaanlagen außerhalb von Operationssälen und der Intensivstation.

Alle Krankenhäuser sind einstöckige Fertigteilbauten, wodurch aufwendige Fundamente oder Aufzüge obsolet sind. Auf Brandschutzanlagen wird ebenso verzichtet. Die Pflege wird von den Krankenschwestern gemeinsam mit den Angehörigen der Patienten erledigt. Teures Operationsmaterial wie Herzklappen kauft Shetty in großen Mengen günstig ein. Die Operationssäle sind den ganzen Tag über belegt.

Die Kosten einer Koronararterien-Bypass-Operation liegen so bei 1.200 Euro. Zum Vergleich: In einer Klinik im US-amerikanischen Ohio kostet derselbe Eingriff um die 80.000 Euro. „Es ist möglich, kardiologische Hochleistungsmedizin unter relativ geringen Kosten anzubieten“, wird Devi Shetty von Bloomberg zitiert. „Die aktuellen Preise im medizinischen Bereich sind zum größten Teil opportunistische Preisfindung und das Ergebnis von Ineffizienz“, so der 60-Jährige.

Gerade in Indien sind Kosteneinsparungen bei der Gesundheitsversorgung ein entscheidendes Thema. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebt von 2 Dollar pro Tag oder weniger. 86 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben werden aus eigener Tasche bezahlt. Die Pro-Kopf-Ausgaben für medizinische Leistungen betragen 60 Dollar jährlich.

Shetty hingegen ist mittlerweile ein reicher und berühmter Mann. Zahlreiche Zeitungen und Fernsehsender aus aller Welt haben über sein Modell der billigen Intensivmedizin berichtet. Die Patienten sind mittlerweile nicht mehr nur Inder, sondern kommen auch aus anderen südasiatischen Ländern. Dementsprechend ambitioniert sind Shettys Pläne: In den kommenden fünf Jahren will er seine Krankenhauskette ausbauen und die Anzahl der Betten von heute 5.000 auf 30.000 versechsfachen.

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