Peter Kohl: Der Vater muss sich zu den Türken-Plänen äußern

Gut zwei Wochen nach Bekanntwerden der Türken-Pläne von Helmut Kohl kritisiert nun auch sein Sohn Peter Kohl die Haltung des Vaters. Die Aussagen des Altkanzlers teilt er nicht. Dass er sich nun nicht einmal erklären will, hält er sogar für „kaltschnäuzig“.

Gut zwei Wochen hat Peter Kohl zu den Türken-Plänen seines Vaters aus dem Jahr 1982 geschwiegen. Jetzt hat sich der 47-jährige Unternehmer, der seit 13 Jahren mit der türkischen Industriellentochter Elif Sözen verheiratet ist, zu Wort gemeldet. Deutlich distanziert er sich von der Ausländerpolitik des einstigen Bundeskanzlers. Auch das jetzige Schweigen von Kohl Senior kann er nicht nachvollziehen.

Politik schätzt Lage über Jahrzehnte falsch ein

„Viele Türken fühlen sich durch solche Äußerungen ausgegrenzt. Das verbittert sie“, so Peter Kohl im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Er selbst teile ganz und gar nicht die Einstellung hinter den alten Äußerungen seines Vaters. Zwar versucht Peter Kohl, die vor gut 30 Jahren gemachten Äußerungen zu rechtfertigen, indem er auf die damals „vorherrschende Meinung“ in der CDU, in der SPD und in Teilen Deutschlands verweist. Unkommentiert dürften die einstigen Ansichten allerdings nicht bleiben. Denn „ansonsten wirkt es kaltschnäuzig“. Das Büro von Helmut Kohl hatte das zuvor abgelehnt.

Der parteilose Peter Kohl geht heute einen ganz anderen Weg.  Er wirbt für eine Pflege der Freundschaft zwischen Deutschen und Türken. Sein Appell: „Auch die CDU muss die heutigen Realitäten anerkennen, dass die Türkei einer der wichtigsten Zukunftspartner für Deutschland ist.“ Immerhin: Sein Vater habe später den Beitrag der Türken für den Aufbau Deutschlands durchaus zu würdigen gewusst. Auch privat habe er sich auf Grund der Verbindung zu Elif Sözen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Die Politik habe die Lage jedoch jahrzehntelang falsch eingeschätzt. Wichtig sei heute eine enge Partnerschaft mit der Türkei, die auch wirtschaftlich eine „große Chance für Deutschland“ bedeute (mehr hier).

Türken in Deutschland um 50 Prozent reduzieren

Erst Anfang August waren die Türken-Pläne des ehemaligen Bundeskanzlers bekannt geworden. Aus einem Geheimdokument der britischen Regierung ging hervor, dass Kohl geplant haben soll, die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken loszuwerden. Die Akte PREM 19/1036 gibt ein Gespräch zwischen Margaret Thatcher und Kohl wieder. Kohl-Berater Horst Teltschik und Thatcher-Sekretär A.J. Cole wohnten dem Gespräch bei. Cole ist der Verfasser des Dokuments.

In dem Gesprächsprotokoll vom 28. Oktober 1982 heißt es: „Kanzler Kohl sagte, […] Über die nächsten vier Jahre werde es notwendig sein, die Zahl der Türken um 50 Prozent zu reduzieren – aber er könne dies noch nicht öffentlich sagen.“ Mit Portugiesen oder Südostasiaten habe Deutschland keine Probleme. Diese würden sich schnell anpassen. Deutschland habe sogar elf Millionen Deutsche aus Osteuropa integrieren können. Doch bei den Türken liege die Sache anders. Die kämen aus einer ganz anderen Kultur (mehr hier).

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