Mehr als nur Sisyphusarbeit: Übersetzungsinitiative macht türkische Literatur weltweit bekannt

Wer den Selbstversuch wagt, stellt schnell fest: Einige namhafte internationale Autoren fallen selbst dem Gelegenheitsleser quasi auf Anhieb ein. Fragt man dann jedoch nach türkischen Vertretern der Zunft, fällt das Nachdenken schon weit intensiver aus. Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, na klar! Doch weit darüber hinaus kommt der Laie meist nicht. Seit 2005 ist die Türkei nun schon bestrebt, das zu ändern.

Unwissenheit in Sachen türkischer Literatur? Dagegen arbeitet die Türkei bereits seit Jahren gezielt an. Das Förderprogramm für Übersetzungen oder Publikationen aus der türkischen Literatur (TEDA) hat sich ganz der türkischen Kultur, Kunst und Literatur verschrieben.

Das Ziel: Sowohl die Übersetzung als auch die Veröffentlichung und Vermarktung von klassischen und zeitgenössischen Werken aus der Türkei soll durch namhafte Verlage in anderen Ländern unterstützt werden. Darüber hinaus soll die türkische Kultur, Kunst und Literatur im Ausland einer intellektuellen Zielgruppe näher gebracht und letztere auf die Quellen dieser Kultur aufmerksam gemacht werden. Zu den übersetzten Arbeiten gehören bisher unter anderem Werke von Orhan Pamuk, Orhan Kemal und Ahmet Hamdi Tanpına, die ohne Zweifel zu den wohl meistgelesenen Schriftstellern der türkischen Literatur zählen.

„Das Projekt beruht auf der Grundlage, dass die zu publizierenden Werke im Rahmen der Vorschriften und Vertragsbedingungen des Ministeriums für Kultur und Tourismus einen Zuschuss für die Übersetzung oder die Druckkosten erhalten“, heißt es hierzu bei TEDA.

Kulturaußenwerbung: Seit 2005 ist TEDA aktiv

Dass das auch unbedingt notwendig ist, zeigt sich nicht nur im Test zuhause. Insgesamt wurde die türkische Kultur, Kunst und Literatur im Ausland bisher nicht besonders erfolgreich repräsentiert. Die veröffentlichten Werke, das ist auch TEDA bewusst, erreichten ihre Leser kaum. Um die türkische Kulturaußenwerbung voran zu bringen, wurde schließlich unter dem Dach des Ministeriums für Kultur und Tourismus ein Projekt zur Unterstützung von Übersetzungs- und Publikationstätigkeiten erarbeitet. Der Startschuss fiel schließlich am 14. Februar 2005. Seither können sich Verlagshäuser, Institute, Universitäten, Stiftungen, Vereine und andere publizierende Einrichtungen bewerben. Überprüft werden die Bewerbungen anschließend vom TEDA Berater- und Bewerteraussschuss. Dieser trifft sich seither mindestens zweimal jährlich und entscheidet dann über die zu unterstützenden Werke.

„Bei der Festlegung der zu unterstützenden Werke und der Höhe der Summe werden die Bedeutung des Autors/der Autorin und des Werks, die Sprache, in die es übersetzt werden soll, die Einrichtung, die es herausgeben wird und das Projektbudget berücksichtigt“, so TEDA. Positive wie auch negative Entscheidungen würden allen Verlegereinrichtungen mitgeteilt und öffentlich bekannt gegeben. Die Zahlung der Summe erfolge schließlich an die Verleger nach der Unterzeichnung des Vertrags „einmalig und im Voraus“. Im Gegenzug bestätigt der Verleger nach der Unterzeichnung des Vertrags das Werk innerhalb von zwei Jahren zu veröffentlichen und nach Vollendung des Projekts innerhalb von 15 Tagen 30 Belegexemplare an das Ministerium zu übersenden.

2012 fast 800 übersetzte Werke

Angefangen, so berichtet die türkische Hürriyet, habe alles mit lediglich 39 Werken. Sieben Jahre später blickt die Initiative bereits auf ganze 791 Übersetzungen von mehr als 350 Autoren, die in verschiedenen Sprachen veröffentlicht wurden. Mit Stand des Jahres 2012 hat sich die türkische Literatur in nicht weniger als 57 Länder und über 53 Sprachen hinweg verbreitet. Die Liste der unterstützten Werke ist mit 1353 Titeln sogar noch wesentlich länger. Den umgekehrten Weg geht derzeit der deutsche Kinderbuchautor Paul Maar (mehr hier).

Die mit Abstand meiste Unterstützung sei dabei Orhan Pamuk zuteil geworden. Seine Bücher, das nächste erscheint 2014 (mehr hier) wurden mittlerweile in 79 Sprachen übersetzt. Sein „Museum der Unschuld“ (2008) ist ebenfalls bereits in 13 verschiedenen Sprachen veröffentlicht worden. „Das schwarze Buch“ (1995) ist in elf Sprachen erhältlich. Platz zwei fällt Orhan Kemal zu. Seinen Roman „Vaterhaus“ gibt es in acht Sprachen. „Cemile“ immerhin in neun. Das meist unterstützte Buch ist übrigens „Das Uhrenstellinstitut“ von Ahmet Hamdi Tanpınar, das in ganze 22 Sprachen übersetzt wurde. Sein bekanntestes Werk „Seelenfrieden“ kommt auf 18 verschiedenen Sprachen. Komplettiert wird die TEDA-Liste durch Autoren wie Elif Şafak, Reşat Nuri Güntekin, Oya Baydar, Mario Levi, Aytül Akal, Ayfer Tunç und Hakan Günday. Aber auch Schreiber wie Yunus Emre, Mevlana, Ömer Seyfettin und Mehmet Akif Ersoy.

Vom 26. Oktober bis 2. November findet nun bereits zum dritten Mal eine Türkisch-Deutsche Übersetzungswerkstatt (TAÇAT) statt. In Büyükada kommen dann im Vorfeld der Internationalen Buchmesse von Istanbul Fachleute beider Sprachen zusammen, um intensiv über ihre Übersetzungen zu diskutieren.

Die bis dato am häufigsten übersetzten Sprachen sind neben Deutsch übrigens Bulgarisch, Arabisch, Albanisch, Englisch, Persisch, Bosnisch, Französisch und Griechisch.

Hier geht’s direkt zu TEDA.

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