Mangelnde Sorgfalt in Bulgarien: Osmanisches Erbe ist in Gefahr

Der stellvertretende türkische Premier Bekir Bozdağ sorgt sich um Bauwerke im türkischen Nachbarstaat Bulgarien. Einige Zeugnisse osmanischer Architektur sind mittlerweile nur noch als Ruinen erhalten. Türkische Bemühungen, die letzten Überbleibsel zu retten, gibt es bereits.

Während seiner dreitägigen Tour durch Bulgarien hatte der stellvertretende türkische Premier Bekir Bozdağ vor allem die Architektur des Landes im Blick. Das Fazit am Ende der gut 2000 Kilometer langen Reise fällt jedoch niederschmetternd aus. Auf Grund mangelnder Sorgfalt steht es schlecht um die Reste der osmanischen Architektur. Dem Verfall preisgeben will der Politiker die Zeitzeugnisse allerdings nicht. So erkundigte er sich nicht nur nach dem rechtlichen Status einiger Bauwerke, sondern äußerte auch die Bereitschaft, die Restaurierung zu übernehmen.

Bis zu seiner Unabhängigkeit am Ende des 19. Jahrhunderts befand sich Bulgarien fast 500 Jahre lang unter osmanischer Herrschaft. Bozdağ, so berichtet das Portal Worldbulletin, habe beim Anblick der vernachlässigten Bauwerke aus seiner Besorgnis keinen Hehl gemacht. Besonders bitter sei für ihn die Situation in Plowdiw gewesen. Dort seien eine historische Moschee kurzerhand in ein Restaurant und ein traditionelles öffentliches Bad (Hamam) in ein Museum für moderne Kunst verwandelt worden. Bereits Anfang 2012 hat das bulgarische Parlament jedoch entschieden, die kommunistische Assimilationspolitik, die im Land bis 1989 gegen Türken gerichtet war, offiziell als Verbrechen zu verurteilen (mehr hier).

Türkei will bedrohte Bauwerke erwerben

Das Thema sei schließlich auch während des Zusammentreffens zwischen Bozdağ und seinem bulgarischen Amtskollegen Zinaida Zlatanova auf den Tisch gekommen. „Wir sahen ein Haman und eine Moschee aus der gleichen Epoche. Diese Moschee ist heute in Privatbesitz. Ein Bürger kaufte sie im Jahr 1930“, so Bozdağ. Nun würde man versuchen, das Bauwerk über das Türkische Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination (türkisch Türk İşbirliği ve Koordinasyon Ajansı Başkanlığı (TİKA)) zu erwerben. Bisher gebe es allerdings noch keine Einigung. Sobald diese jedoch erreicht sei, werde man das Gebäude wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Im Rahmen seiner Bulgarien-Visite besuchte Bozdağ unter anderem die Imaret Moschee (1444), as Cifte Hamam (Mitte 15. Jhd.) und den osmanische Überbleibsel in der südbulgarischen Provinz Plowdiw, der zweitgrößten Stadt des Landes nach der Hauptstadt Sofia. An der Imaret Moschee sei das TİKA dran. Derweil wird dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan vorgeworfen, die osmanische Geschichte überhaupt nicht zu kennen (mehr hier).

Osmanische Architektur: Kein einheitlicher Stil

Als Osmanische Architektur bezeichnet man allgemein die Architektur des Osmanischen Reiches in der Zeit von 1300 bis 1923. Der Fokus liegt hier auf seinem Kerngebiet, dem Balkan und Kleinasien. Einen einheitlichen Stil gab es jedoch nicht. Insgesamt wird ihr aber eine eher nüchternen Fassadengestaltung, Repetition und Selbstreferenz, eine Art „Ingenieursästhetik“ zugesprochen. In der Spätzeit nähern sich vor allem die Moscheen stark westlicher Ästhetik an. Andere sehen das besondere Merkmal dieser Architektur in ihrer auffällige Balance zwischen architektonischer Planung und der Natur.

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