Entführung im Libanon: Sicherheitsmaßnahmen für türkische Bürger verschärft

Die libanesischen Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen für türkische Staatsangehörige im Land verstärkt, nachdem am vergangenen Freitag zwei Turkish Airlines-Piloten auf dem Weg vom internationalen Flughafen Beirut in ein Hotel entführt wurden. Bekannt wurde zudem, dass die Türkei ihre Truppen im Rahmen der UNIFIL-Mission abziehen will. Einen Zusammenhang mit der Entführung scheint jedoch nicht zu bestehen.

Am frühen Freitagmorgen wurden zwei Piloten der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines von einer bewaffneten Gruppe verschleppt. Der Vorfall, der im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg im benachbarten Syrien gesehen wird, hat bereits eine Reisewarnung der Türkei nach sich gezogen. Alle türkischen Bürger wurden aufgefordert, unnötige Fahrten in den Libanon zu vermeiden. Diejenigen, die sich dort aufhielten, sollten das Land verlassen. Mittlerweile haben auch die libanesischen Behörden ein besonders wachsames Auge auf die türkischen Bürger im Land.

Bereits am Tag nach der Entführung sickerte aus libanesischen Sicherheitskreisen durch, dass eine Liste aller türkischen Touristen im Land vorläge. Diese werde unter den Sicherheitskräften verbreitet, um so besser für die Sicherheit der türkischen Gäste garantieren zu können.

Libanesische Sicherheitskräfte suchen fieberhaft nach Piloten

„Ein weiterer Hinweis auf die erhöhten Bemühungen der libanesischen Sicherheitskräfte, ist die Eskorte eines Busses, der im Norden des Libanons die Städte Zahle und Baalbek anfuhr“, so ein Polizist zur Zeitung Daily Star. Derweil zitierten libanesische Medien Innenminister Marwan Charbel mit den Worten, dass die libanesische Regierung außergewöhnliche Anstrengungen unternehme, um die Freilassung der beiden türkischen Piloten zu erreichen. „Der Libanonen ist gegen jede Art von Entführung. Der Staat unternimmt alles in seiner Macht stehende, um sie zu befreien.“

Unterdessen erklärte UNIFIL-Sprecher Andrea Tenent, dass die Türkei die United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) darüber informiert habe, dass sie ihre Truppen aus dem Libanon abziehen werde. „Der Rückzug wird in der ersten Septemberwoche abgeschlossen sein“, zitiert die türkische Zaman Tenent. In der UNIFIL Maritime Task Force würden die türkischen Truppen allerdings weiterhin aktiv sein. Ein Zusammenhang mit dem jüngsten Entführungsfalls scheint jedoch nicht zu bestehen. Nach Angaben von Tenent habe Ankara die UNIFIL bereits am 6. August über die Entscheidung informiert.

Abgezogen würden die Einheiten mit Maschinen-und Anlagenbau-Fachleuten, die bereits seit 2006 involviert sind. Innerhalb der Seestreitkräfte verbleibe die Türkei mit 58 Soldaten und einer Fregatte .Das türkische Parlament hatte erst vor wenigen Wochen zum siebten Mal das Mandat von 265 türkischen Truppen, die unter dem Banner der UNIFIL aktiv sind, ab dem 5. September 2013 für ein Jahr verlängert.

Entführung auf dem Weg zum Hotel

Die Turkish Airlines-Crew flog am frühen Freitagmorgen von Istanbul nach Beirut. Mit dem Bus ging es nach der Landung über eine alte Flughafenstraße in Richtung Hotel. Auf dem Weg wurden sie von zwei Fahrzeugen gestoppt. Sechs bewaffnete Männer zwangen darauf hin den Piloten und seinen Co-Piloten mit ihnen zu kommen. Die übrigen Crew-Mitglieder ließen sie gehen (mehr hier).

Nachdem zunächst unklar schien, wer hinter der Entführung stecken könnte, behauptet nun eine Gruppe namens al-Imam Zuwaar Rida für die Tat verantwortlich zu sein. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman. Die bisher nicht bekannte Gruppe hätte erklärt, dass sie die beiden Piloten nur freigäben, „wenn die libanesische Geiseln in Syrien zurückkehren“ würden.

Massenentführung im Mai 2012

Bereits Ende Mai vergangenen Jahres hatten Aufständische im nordsyrischen Aleppo mindestens 13 libanesische Staatsbürger entführt. Bei den Entführten, so berichtete euronews, handle es sich um libanesische Schiiten. Nach Angaben ihrer Angehörigen in Beirut hätten sie sich auf der Rückfahrt von einer Wallfahrt in den Iran befunden, als ihr Bus von den Rebellen überfallen worden sei. Die Angehörigen, so Reuters, hätten darauf hin Ankara gedrängt, intensivere Bemühungen anzustellen, um die verbliebenen neun Entführungsopfer freizubekommen. Proteste soll es im Zuge dessen auch vor dem Turkish Airlines Büro in Beirut gegeben haben. In den darauffolgenden Monaten war es dann zu einer Reihe von Racheaktionen gekommen. Unter anderem gab es eine Massenentführung, der auch zwei Türken und rund 20 Syrer zum Opfer fielen. Alle sind inzwischen wieder auf freiem Fuß (mehr hier).

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