Sinneswandel: Ex-Imam aus Dänemark befürwortet Mohammed-Karikaturen

Der ehemalige Imam Ahmed Akkari bereut seine Schlüsselrolle während der Auseinandersetzungen um die Mohammed-Karikaturen. 2006 reiste er in mehrere muslimisch geprägte Länder, um Muslime gegen den Westen zu mobilisieren. Jetzt vollzieht er eine Kehrtwende und entschuldigt sich beim Karikaturisten Kurt Westergaard.

Eine Karikatur, die den Propheten Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigte, hat 2005 weltweite Reaktion ausgelöst. Einer der damals schärfsten Kritiker der Karikaturen, der dänisch-libanesische Imam Ahmed Akkari, revidiert jetzt seine Position. Er bereut nun, die Stimmung gegen Dänemark massiv aufgeheizt zu haben.

Akkari reiste infolge der Veröffentlichung nach Syrien, Afghanistan, den Libanon und den Irak, um Muslime gegen den Westen zu mobilisieren- mit großem Erfolg. Die Skandalisierung mündete in Gewalt, dänische Botschaften in muslimisch geprägten Ländern wurden angegriffen. In der Türkei erschoss ein 16-jähriger Junge einen katholischen Priester und nannte die Karikaturen als Auslöser.

Der damals als Imam tätige Akkari trägt eine erhebliche Mitverantwortung für die Radikalisierung. Denn vor seiner Reise Anfang 2006 wurde die Karikatur im ägyptischen Wochenblatt „Al Fagr“ abgedruckt, erregte aber kein Aufsehen. „Ich möchte ehrlich über die Reise sprechen: sie war komplett falsch“, so Akkari in der letzten Woche gegenüber der Associated Press.

Grund für seinen Sinneswandel sei eine Reise in den Libanon gewesen. Dort sei er auf prominente Islamisten getroffen. Deren Instrumentalisierung des Islams für politische Interessen habe ihn abgestoßen, sodass er nach Grönland zog und als Volksschullehrer arbeitete. „In Grönland hatte ich viel Zeit zum schreiben und lesen. Und zum denken“, sagt der geläuterte Muslim. Inzwischen hat er sich beim Karikaturisten Kurt Westergaard entschuldigt.

Im Islam wird eine theologische Diskussion über das Bilderverbot geführt, da im Koran kein solches Verbot niedergeschrieben ist. Es existieren unterschiedliche Meinungen in der muslimischen Rechtssprechung, wobei sich jede Meinung mit Aussagen Mohammeds belegen lässt. Abbildungen des Propheten Mohammed sind bei allen Interpretationen verboten.

Die Mohammed-Karikaturen fallen wiederum in westlichen Demokratien in die Grauzone zwischen Meinungs- und Religionsfreiheit. Damit sind die Karikaturen ein Prüfstein für die Meinungsfreiheit einerseits und die Strenge der Auslegung des Bilderverbots andererseits. Denn alle Muslime leben in Konsumgesellschaften, die mit ihrer Bilderflut tagtäglich dem Bilderverbot widersprechen.

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