Boom in NRW: Immer mehr Schüler lernen Türkisch

Allein an zwölf Gymnasien lernen derzeit mehr als 1300 Schüler in Nordrhein-Westfalen Türkisch. Auch an den Gesamtschulen des Bundeslandes wird die Fremdsprache immer beliebter. Nicht wenige junge Leute legen darin sogar ihr Abitur ab. Ob durch das Angebot der Anteil türkischstämmiger Gymnasiasten erhöht werden kann, lässt sich aber nicht beurteilen.

Schüler in Nordrhein-Westfalen sind offenbar sehr an der türkischen Sprache interessiert. Immer mehr entscheiden sich im Laufe ihrer Schulzeit an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule für Türkisch als Fremdsprache. Mehr als 160 legten zuletzt sogar ihre Abiturprüfung in diesem Fach ab.

Im Rahmen einer kleinen Anfrage des Abgeordneten Theo Kruse (CDU) vom 2. Juli dieses Jahres, gibt Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) Auskunft über die Nachfrage an Türkisch-Klassen in NRW. Demnach lernen im Augenblick 1345 Schüler an zwölf Gymnasien die türkische Sprache als Fremdsprache. Im Rahmen des Abiturjahrgangs 2011/2012 entschieden sich sogar 165 Schüler für Türkisch als Abiturfach. Davon kamen 101 Schüler von Gesamtschulen, die Türkisch als drittes und viertes Abiturfach belegten. In den beiden Vorjahren waren es 108 bzw. 102 Interessierte.

Kernplan für Nicht-Muttersprachler wird erarbeitet

Türkisch, so Löhrmann, könne bereits jetzt als weitere Fremdsprache an Gymnasien in der Sekundarstufe I gewählt werden. Der für die Sekundarstufe I erarbeitete Kernlehrplan Türkisch gelte auch für Nicht-Muttersprachlerinnen und Nicht-Muttersprachler. In der gymnasialen Oberstufe kann Türkisch dann im Grund- oder Leistungskurs belegt werden und Abiturfach sein. Für die gymnasiale Oberstufe werde derzeit außerdem ein Kernlehrplan erarbeitet, der auch für Nich-Muttersprachlerinnen und Nicht-Muttersprachler gelte. Islamischen Religionsunterricht gibt es ebenfalls seit dem vergangenen Jahr (mehr hier).

Ob sich mit dem Angebot Türkisch als Fremdsprache jedoch der Anteil türkischstämmiger Gymnasiasten erhöhen ließe, vermag Löhrmann nicht zu sagen:

„Die Amtlichen Schuldaten erheben die Staatsangehörigkeit ausländischer Schülerinnen und Schüler. Die Daten zur Zuwanderungsgeschichte erfassen nicht die Herkunftsländer der Schülerinnen und Schüler, sodass keine Aussagen zu türkischstämmigen Schülerinnen und Schülern an Gymnasien getroffen werden können. Eine Einschätzung ist auf dieser Datengrundlage nicht möglich.“

An Schulen in Nordrhein-Westfalen ist Englisch generell die erste Fremdsprache und wird ab dem zweiten Halbjahr des ersten Schuljahres unterrichtet. Weitere Fremdsprachen können in den folgenden Jahren zu unterschiedlichen Zeitpunkten einer Schullaufbahn gewählt werden, sofern natürlich ein entsprechendes schulisches Angebot besteht.

Türkisch aber Klasse 6 oder 8

An den Gymnasien in NRW wird eine zweite Fremdsprache in der Jahrgangsstufe 6 gewählt, in der Jahrgangsstufe 8 können die Schüler dann eine weitere Fremdsprache hinzufügen. In der gymnasialen Oberstufe werden Fremdsprachen aus der Sekundarstufe I fortgeführt und können als neu einsetzende Fremdsprache gewählt werden. An Gesamtschulen kann eine zweite Fremdsprache in der Jahrgangsstufe 6 gewählt werden, die weiteren Wahlmöglichkeiten gleichen denen des Gymnasiums.

Dem Thema Türkisch als Fremdsprache an Gymnasien, neben Englisch und Französisch, steht die deutsche Bevölkerung jedoch eher skeptisch gegenüber. Wie eine Umfrage aus dem Jahr 2010 ergab, würden nur 21,5 Prozent der Befragten die Einführung von Türkisch als Fremdsprache an Gymnasien begrüßen.


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Anfang 2012 verabschiedete NRW ein flächendeckendes Integrationsgesetz. Die Prioritäten, so hieß es damals, seien „gleichberechtigte Bildungschancen, fairer Zugang zum Arbeitsmarkt und demokratische Teilhabe“ (mehr hier).

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