Ausbildung: IHK möchte mehr Deutsch-Türken im Handwerk

Die Erwartungen der Betriebe sind schwer mit den Qualifikationen der Bewerber auf eine Ausbildung zu vereinen. Der demografische Wandel sorgt für stetig sinkende Bewerberzahlen, während die Wirtschaft auf keine Arbeitskraft verzichten kann. Insbesondere junge Migranten sind schwer zu vermitteln.

Auf dem Ausbildungsmarkt klafft derzeit eine große Lücke zwischen der Qualifikation der Bewerber und den Anforderungen der Betriebe. Insbesondere Haupt- und Realschulabsolventen haben schlechte Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Überdurchschnittlich viele Migranten haben keinen, einen Haupt- oder Realschulabschluss.

Einen erheblichen Mangel an Lehrstellen oder Bewerbern  kann die Bundesagentur für Arbeit in ihrem aktuellen Bericht für den Monat Juli nicht feststellen. Dass aber trotzdem 146.000 Stellen frei und 157.000 Bewerber noch ohne Ausbildungsplatz sind, liegt an Passungsproblemen auf dem Ausbildungsmarkt. Viele Betriebe stellen kaum Haupt- und Realschulabsolventen ein, weil die immer größer werdende Gruppe der Abiturienten auch Ausbildungsberufe besetzt. Dazu gehören vornehmlich naturwissenschaftlich orientierte Ausbildungen, beispielsweise zum Mechatroniker oder zum Fachinformatiker.

„Zugleich finden sich viele Berufe, die sich auch für Jugendliche mit weniger guten Schulleistungen und ausgeprägten praktischen Fähigkeiten eignen. Im Einzelhandel, im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Verkehrs- und Logistikbereich sind noch viele Plätze zu haben „, sagt Achim Dercks, stellvertretender Geschäftsführer des Industrie- und Handelskammertages. Angesichts der demografischen Entwicklung kann es sich die deutsche Volkswirtschaft nicht leisten, die „Abgehängten“, meist Migranten ohne Schulabschluss, weiter zu ignorieren. Jedes dritte Kind unter fünf Jahren in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.

„Unter den Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss seien Ausländerinnen und Ausländer zwischen 2006 und 2010 um das 2,5-fache überrepräsentiert. Ein Trend zur Annäherung zwischen dem Gesamtniveau der Bildungsabschlüsse und dem Bildungsniveau von Migranten sei nicht zu beobachten, so der Bildungsbericht 2012.

Die Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Bewerbern an Betriebe sind regional und nach Branchen unterschiedlich stark ausgeprägt. Deswegen steht Flexibilität an oberster Stelle des Anforderungsprofils. Eine unkomplizierte Möglichkeit, das Stellenangebot zu sichten, bietet das Lehrstellenradar für Handwerksberufe. Dort kann man sich bundesweit angebotene Lehrstellen und Praktika im Handwerk direkt auf dem Smartphone anzeigen lassen.

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