Religion in der Türkei: Aleviten funktionieren Moschee in „Cemevi“ um

Ein kleines Dorf in der Provinz Erzincan wandelt seine Moschee in eine alevitische Gebetsstätte um. Die Moschee wurde im letzten Jahr gebaut, doch außer dem Imam ging dort keiner beten. Aleviten bilden eine Ströumg im Islam, die vom türkischen Staat nicht anerkannt wird.

Die alevitischen Bewohner des türkischen Dorfes Kürelik in Ostanatolien haben ihre Moschee zu einem „Cemevi“, dem alevitischen Gotteshaus, umgewandelt. Die Moschee wurde im vergangenen Jahr gebaut.

Doch außer dem Imam besuchte kein Dorfbewohner die Gebetsstätte. In dem knapp 100-Seelen-Dorf leben ausschließlich Aleviten. Die muslimische Glaubensrichtung wird vom türkischen Staat nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt.

Im Kreis Refahiye, in dem auch Kürelik liegt, sind 53 der 126 Dörfer von Menschen mehrheitlich alevitischer Konfession bewohnt. Dennoch wurde im September letzten Jahres eine Moschee in dem Dorf errichtet. Die Zahl der Moscheen ist unter der AKP-Regierung um 17.000 auf 93.000 gestiegen.

Für den Neubau von Moscheen und die Entsendung von Imamen ist das Präsidium für religiöse Angelegenheiten, kurz: Diyanet, zuständig. Da jedoch in der Türkei Aleviten nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt sind, werden sie wie von der Diyanet wie Sunniten behandelt. Beobachter sehen darin eine „Sunnitisierung“ der Aleviten.

Der Plan, die ungenutzte Moschee auch noch mit einem Minarett zu versehen, stieß bei den Dorfbewohner auf Ablehnung. Sie sammelten Unterschriften und reichten Beschwerde bei der Provinzverwaltung ein, die anschließend die Pläne verwarf und den Imam abzog. „Als der Imam vor drei Monaten das Dorf verlassen hat, haben wir die Moschee als Cemevi benutzt. Unseren ersten Gottesdienst haben wir zum Ramadan-Fest gefeiert: Wir sind sehr glücklich“, sagt Haydar Kement, der Vorsitzende der Interessenvertretung  des Dorfes, gegenüber Radikal.

Zuvor konsultierten die Dorfbewohner den Vorsitzenden der alevitische Hubyar-Sultan Verband, Ali Kenanoğlu. In vielen Gemeinden in Sivas, Erzincan oder Tokat bestehe der Wunsch nach einem Cemevi, stattdessen würden immer mehr Moscheen gebaut. „Die Fremddefinition, nach der ein Alevite in einer Moschee zu beten habe, muss aufhören. Wenn ihr uns eine Moschee vor die Tür setzt, werden wir sie nach unseren Vorstellungen nutzen. Ich beglückwünsche das Dorf Kürelik “, so Kenanoğlu in einer Pressemitteilung des Verbands.

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