Rockender Imam: Türkische Konservative laufen Sturm

Der türkische Imam Ahmet Muhsin Tüzer sieht sich harscher Kritik ausgesetzt. Der Kleriker hat mit seiner Rockband „FiRock” das Mufti Amt von Antalya auf den Plan gerufen. Ein solches Hobby zieme sich nicht für sein Amt. So deren Argumentation. Er sieht den Fall jedoch ganz anders. Schließlich rufe er zu Frieden, Brüderlichkeit und Freundschaft auf. Jetzt soll der Fall vor das Türkische Amt für Religiöse Angegelenheiten gezerrt werden.

Musik und Glauben, das müsste doch eigentlich zusammengehen? In Deutschland liest man immer wieder von Seelsorgern, die neben ihrem Gemeindedienst nicht ganz alltägliche Hobbies pflegen. Sie sind Drummer in einer Rockformation,  sanfte Liedermacher oder gründen gleich eine ganze Theologenband. In der Türkei werden derlei Bestrebungen offenbar weitaus kritischer beäugt. Ein Imam, der sich dort neben dem Job als Rocker betätigte, droht jetzt mächtiger Ärger.

Die selbsternannten Sittenwächter auf den Plan gerufen hat Ahmet Muhsin Tüzer. Der Imam aus dem Bezirk Kaş hatte kürzlich ebenfalls eine Rockband namens „FiRock” gegründet und ein Konzert gegeben. Ein Dorn im Auge des Mufti Amtes von Antalya.  Jetzt, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, hat das Büro sogar eine Untersuchung des Falles eingeleitet. In Polen ist man übrigens ganz anderer Meinung. Hier darf Kunst sogar richtig schocken (mehr hier).

„FiRock” besteht neben Imam Tüzer aus Doğan Sakin, Gründer und Gitarrist der bekannten türkischen Rockband „Kramp”, sowie Schlagzeuger İdris Tübcil. Ihr erstes Konzert gab das Trio am 10. August im Yachthafen von Kaş. Erst kurz zuvor wurde ihr erster Videoclip „Mevlaya Gel” veröffentlicht. Derzeit arbeiten die Drei zudem an einem Album, das Rock-und Sufi-Musik vereinen soll.

Soweit, so schön. Oder eben auch nicht. Denn das hiesige Mufti Amt will den Fall unbedingt vor das Türkische Amt für Religiöse Angegelenheiten zerren. Ihr Argument: Diese Situation sei für einen Imam nicht üblich. Den Angaben von Mufti Ahmet Çelik zufolge, solle untersucht werden, welches Ziel die von der Gruppe organisierte Veranstaltung eigentlich gehabt habe. „Ein Imam zu sein ist kein gewöhnlicher Job. Für jemand anderen im öffentlichen Dienst mag das so sein, nicht so für uns“, so Çelik überzeugt.

Nun reisen offenbar eigens Inspektoren aus Ankara an. Und nicht nur diese werden mit dem Imam intensiv ins Gericht gehen. Sein Fett weg, so schildert die Hürryiet, habe Tüzer bereits innerhalb der Sozialen Medien für seinen Auftritt bekommen. Tüzer soll bereits Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung gegen ihn und seine Bandkollegen gestellt haben. „Ich habe nichts Falsches getan. Auch habe ich nicht meine Pflicht vernachlässigt. Ich rufe die Menschen zu Frieden, Brüderlichkeit und Freundschaft auf“, so der Imam. Hier etwas Bedrohliches herauszulesen, sei wirklich unmöglich.

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