„Du kommst hier nicht rein“: Disco muss Deutsch-Kurden Schadenser​satz zahlen

Ein Deutscher kurdischer Abstammung wurde an einer Diskothek in Hannover abgewiesen. Das Amtsgericht verurteilt den Diskothekbetreiber zu 1000 Euro Schadensersatz und droht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro bei Wiederholung an.

1000 Euro Schadensersatz stehen einem Deutschen kurdischer Abstammung zu, weil er an der Discotür diskriminiert wurde. Das Amtsgericht Hannover entschied, dass genug Beweise vorliegen, um von einer ethnischen Diskriminierung auszugehen.

Im Januar 2012 soll der Mann gegen 23.30 am Einlass einer Diskothek in Hannover abgewiesen worden sein. Dass ihm der Zutritt ausgerechnet wegen seines Aussehens, das seine Herkunft erkennen lässt, verwehrt wurde, sei für das Gericht eindeutig. Denn zeitgleich hätten Gäste ohne Migrationshintergrund die Diskothek problemlos betreten können.

Sollte die Diskothek den Mann künftig nochmal ablehnen, ohne zwingende Gründe zu haben, kann ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro verhängt werden. Die Entscheidung des Gerichts beruht auf dem Antidiskriminierungsgesetz. Dieses verbietet Ungleichbehandlungen aufgrund der Ethnie, des Geschlechts, der Religion, der Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Identität.

Aus rechtlicher Perspektive ist es bei Streitigkeiten zwischen Privatpersonen unzulässig zu diskriminieren, wenn sogenannte Massengeschäfte vorliegen. Einkäufe in Kaufhäusern oder Diskotheken sind solche Massengeschäfte, bei denen es nicht zur Prüfung der Person jedes einzelnen Kunden durch die Verkäufer kommt. In einem beispielhaften Fall wurden in Bremen bis auf einen dunkelhäutigen Jungen alle anderen Mitglieder der Clique in die Disco gelassen. Das Gericht sprach dem diskriminierten Jungen Schadensersatz zu.

Die Diskriminierung im Einzelfall zu beweisen, stellt die größte Schwierigkeit für die Betroffenen dar. Das Hausrecht der Diskothekenbetreiber ermöglicht auch eine Kleiderordnung festzulegen und Besucher wegen unangemessener Kleidung abzulehnen. Ob die Ablehnung dann wegen unpassender Kleidung erfolgt oder dies nur ein Vorwand für eine unausgesprochene Diskriminierung ist, führt häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In jedem Fall ist es am erfolgsversprechendsten, wenn man Zeugen hat, die eine Aussage des Türstehers, wonach schon zu viele Ausländer drin seien, bestätigen können.

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