Alkoholwerbung muss weg: Türkische Ladenbesitzer trifft das direkt im Geldbeutel

Türkische Gastwirte und Einzelhändler sind in Sorge über die Auswirkungen der neuen Anti-Alkohol-Gesetzgebung. Bis September müssen sie Logos und Werbeschilder für alkoholische Getränke entfernen. Sie fürchten, dass ihnen diese Maßnahme teuer zu stehen kommen wird. Denn bisher stemmten die Getränkehersteller einen nicht unerheblichen Teil ihrer Kosten.

Die vor wenigen Wochen von Präsident Abdullah Gül unterzeichnete Anti-Alkohol-Gesetzgebung zieht für die türkischen Gastronomen und Einzelhändler einen ganzen Rattenschwanz an Nachteilen nach sich. Sie fürchten nicht nur Einbußen aufgrund der beschränkten Verkaufszeiten. Die Geschäftsleute müssen im Zuge der neuen Regelung zudem sämtliche Werbehinweise für Alkoholika entfernen.

„Diese Verordnung wird Ladenbesitzer teuer zu stehen kommen“, fürchtet Bendevi Palandökeni, Chef der Vereinigung der türkischen Handwerker und Gewerbetreibenden (TESK). Das bereits im vergangenen Mai durchgewunkene Gesetz sieht neben einem Verkaufsverbot zwischen 22 Uhr am Abend und sechs Uhr am Morgen auch ein völliges Verbot von Alkoholwerbung vor. Die Flaschen müssen zudem mit entsprechenden Warnhinweisen ausgestattet werden (mehr hier).

Neue Werbetafeln für Ladenbesitzer unerschwinglich

Derzeit, so Palandökeni zur türkischen Zeitung Hürriyet, würden sich Werbemaßnahmen im Wert von vielen Billiarden Türkischer Lira im Umlauf befinden. Die kostengünstigsten Werbetafeln kosteten um die 3000 bis 5000 Lira, umgerechnet also etwa 1170 bzw. 1950 Euro. Die gut 200.000 betroffenen türkischen Ladenbesitzer könnten diese finanzielle Belastung in Zukunft nicht völlig aus eigener Tasche stemmen. Gerade für die Kleinen sei das ein harter Schlag.

Derzeit gehört zu den Partnerverträgen mit Getränkeherstellern wie auch in Deutschland entsprechendes Werbematerial sowie diverse Schilder und Tafeln dazu. In der Türkei wird auch die Stromrechnung für die Beleuchtung dieser Werbeinstallationen vom Unternehmen getragen. Die Sorge der Gastwirte und Ladenbesitzer gilt daher auch den Stromkosten, die sie künftig allein zu stemmen hätten.

Gastronomen bitten um Aufschub

Palandöken zufolge, wären nicht wenige Restaurant-, Café- oder Shop-Besitzer sogar bereit, mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Das Problem sei nämlich eigentlich gar nicht die Tatsache, dass man sich von der Alkoholwerbung trennen müsste, sondern die in ihren Augen viel zu knapp bemessene Zeitspanne dafür. Einzelhändlern wurde ein Frist bis kommenden September gesetzt. Über eine Verlängerung der Frist sei bereits mit mehreren Ministerien, Parteien und Vertretern gesprochen worden. Ideal wäre ein Aufschub mindestens bis ins neue Jahr. Ein Ergebnis gäbe es aber noch nicht.

Während Premier Erdoğan im neuen Anti-Alkohol-Gesetz keinen Eingriff in die Lebensweise und Privatsphäre von Menschen sieht und postuliert, wer Alkohol zu sich nehmen wolle, könne das auch zu Hause tun (mehr hier), werten seine Gegner das Gesetz als weiteren Eingriff in die Privatssphäre, der auch knallharte, ökonomische Folgen nach sich ziehen werde. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass auf Grund dessen das alljährlich stattfindende „Efes Pilsen One Love Festival“ abgesagt werden musste. Der Hintergrund: Das Verbot umfasst auch das Sponsoring von Großveranstaltungen durch Bierbrauer. Wenig später reagierte das Unternehmen erneut und machte seine Homepage dicht (mehr hier).

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