Milliardenrekord: Russischer Rüstungsexport läuft 2013 auf Hochtouren

Die russische Rüstungsindustrie boomt. Allein in den ersten sechs Monaten diesen Jahres sollen Rüstungsgüter im Wert von 6,5 Milliarden Dollar exportiert worden sein. Laufende Verhandlungen versprechen der staatlichen Rosoboronexport ein zusätzliches Auftragsvolumen von 80 Milliarden Dollar.

Die russische Rüstungsindustrie exportiert mehr Kriegsgerät als im vergangenen Jahr. Einer Stellungnahme des staatlichen Rüstungsunternehmens Rosoboronexport zufolge, wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Waffen im Wert von 6,5 Milliarden Dollar, umgerechnet 4,9 Milliarden Euro, exportiert. Das Unternehmen soll sich zudem in Gesprächen befinden, in deren Folge Aufträge im Wert von weiteren 80 Milliarden abgeschlossen werden könnten. Russland ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Waffenexporteur.

Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, so Ria Novosti. Bestellungen mit einem Umfang von 34 Milliarden Dollar seien zu verzeichnen, so der stellvertretende Vorsitzende Rosoboronexports, Igor Sevastyanov. Unter den 67 Abnehmerländern befinden sich Großmächte wie China und Indien aber auch Algerien, Venezuela, Malaysia und Syrien (mehr hier). Das Exportvolumen Rosoboronexports lag 2001 noch bei etwa drei Milliarden Dollar und hat sich bis 2012 auf 15,2 Milliarden verfünffacht.

Insbesondere nach 2007 wuchs das Geschäft mit Kriegsgütern an. Das ist auch eine Folge der Aufrüstung der chinesischen Volksarmee, worin die Nachbarstaaten in Südostasien eine Bedrohung sehen und ihrerseits aufrüsten. Zwischen Indien und China entwickelt sich ein Kampf um die Vormachtstellung im südostasiatischen Raum, der bisher noch über das Drohpotential militärischer Aufrüstung ausgefochten wird.

Kreml will militärisches Gleichgewicht

In diesem Zusammenhang ist auch der Vorstoß Barack Obamas, das nächste Jahrhundert als das „Pazifische Jahrhundert“ zu deklarieren, einzuordnen. Kleinere Staaten wie Vietnam, Malaysia und Indonesien aber auch Japan rüsten ebenfalls auf, um den chinesischen Ansprüchen auf das Ostchinesische Meer und die wirtschaftlich bedeutsame Malaka-Straße zu begegnen. Während die USA hauptsächlich Japan, Singapur und die Philippinen beliefert, versorgt Russland China und Indien als Hauptabnehmer, des Weiteren Malaysia und Vietnam. Dass Russland beide Hegemonialmächte, China und Indien, beliefert, spricht dafür, dass der Kreml ein militärisches Gleichgewicht zwischen den Mächten herzustellen versucht.

„Es seien aber noch andere Gründe für die immens steigenden Exporte verantwortlich. Das ist erstens darauf zurückzuführen, dass alle Waffenexporte über ein Unternehmen erfolgen, und zwar über Rosoboronexport. Zweitens lebt die russische Rüstungsindustrie auf. Seit 2006 funktioniert die Rüstungskommission bei der russischen Regierung wieder. Dieses Koordinierungsgremium ist für Exporte und militärtechnische Kooperation zuständig“, sagt Viktor Murachowski, Mitglied eines Beratungsgremiums bei der russischen Rüstungskommission, dem Radiosender Stimme Russlands.

Waffenströme sind unter Kontrolle

Russlands Rüstungsexporte werden vollständig über die staatliche Rosoboronexport abgewickelt. Das hat den Vorteil, dass die geopolitisch hoch bedeutsamen Waffenströme direkt der politischen Kontrolle des Kremls unterstehen. Denn die Entscheidung, welches Land welche Art von Waffen erhält, ist keine ausschließlich ökonomische Frage, sondern maßgebliches Kriterium für den Ausgang internationaler Konflikte. Deswegen liefert Russland der syrischen Armee immer noch teure, hochwertige Kampfjets des Typs Mig-29MM2, obwohl der syrische Staat schwere finanzielle Probleme hat, wie Ria Novosti berichtet. Einen Deal mit den Saudis schlugen die Russen unterdessen aus (mehr hier).

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