Türkei: Steigender Tabakexport, sinkende Raucherzahlen

Die türkische Tabakindustrie hat ihren Export im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Obwohl immer weniger Türken rauchen und der Staat eine restriktive Drogenpolitik betreibt, ist der Tabakanbau der mit am schnellsten wachsende Exportsektor.

Die türkische Tabakindustrie hat im Juli dieses Jahres 120 Prozent mehr exportiert als im Vorjahreszeitraum. Es wird erwartet, dass in diesem Jahr Tabakwaren im Wert von einer Milliarde Dollar ausgeführt werden. Hinter dem Olivenölsektor konnte der Tabakexport die höchsten Wachstumsraten im Juli verzeichnen.

Im weltweiten Tabakexport und -konsum nimmt die Türkei regelmäßig einen Platz unter den Top-Ten ein. Dabei machte der Tabaksektor in den letzten zwölf Monaten nur 0,6 Prozent der des gesamten Exportvolumens aus, so die türkische Hürriyet.  Der Ausfuhr wird hauptsächlich über die Ägäis-Region um Izmir und Istanbul und den größten Hafen der Türkei in Mersin abgewickelt. Auf insgesamt 133.000 Hektar Land wurden in den vergangenen sieben Monaten 111.000 Tonnen Tabak angebaut. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein hoher Wert. Im Laufe der letzten 30 Jahre jedoch ist das Produktionsniveau von Tabak stetig zurückgegangen.

Öffnung des Zigarettenmarktes in den 90er Jahren

Auf dem türkischen Markt sind mittlerweile alle globalen Tabakhersteller aktiv. Bis 1984 konnten ausschließlich Zigaretten des staatlichen Monopolisten Tekel gekauft werden. In den 90er Jahren wurde im Zuge weitreichender Privatisierungen unter Ministerpräsident Turgut Özal ausländischen Firmen Konzessionen zur Zigarettenherstellung erteilt.

Nachdem 2008 der vormals staatliche Monopolist Tekel privatisiert wurde, ist mit British American Tobaco auch der weltweit zweitgrößte Zigarettenhersteller ein gewichtiger Wettbewerber mit 35 Prozent Marktanteil. Mit Philip Morris, dessen Marktanteil 2008 bei 40 Prozent lag, und Japan Tobacco International , bei 14 Prozent, wird der Markt zu 89 Prozent von den großen Herstellern beherrscht. Philip Morris stellt die unter Türken sehr beliebten Marken Marlboro und Parliament her, die in Abgrenzung zu den heimischen Tekel-Marken lange als Statussymbol galten.

Entwöhnungspolitik

In den vergangenen Jahren kam es unter der AKP-Regierung zu einer immer restriktiveren Alkohol- und Tabakpolitik. Die Steuerbelastung für Raucher ist seit 2003 enorm gestiegen (mehr hier). Lagen 2003 die Ausgaben aller Raucher für ca. 108 Millionen Zigaretten bei 5,5 Milliarden Dollar, zahlten Raucher 2012 für zehn Millionen Zigaretten weniger ganze 15,5 Milliarden Dollar. Rund zehn Milliarden Dollar im Jahr nimmt der türkische Staat alleine durch die erhöhte Tabaksteuer, die 78 Prozent des Preises einer Packung ausmacht, ein.

Die Entwöhnungspolitik trägt derweil Früchte. Zwischen 1988 und 2012 ist der Bevölkerungsanteil der Raucher von 44 auf 27 Prozent gefallen. Dabei spielen sicherlich auch die Verbannung des Zigarettenqualms aus geschlossenen Räumen, zensierte Raucher im Fernsehen und zahlreiche Gesundheitskampagnen eine große Rolle. Rauchen ist die häufigste Ursache für Krebs in der Türkei – (mehr hier). Interessant ist auch, dass in der Türkei ein positiver Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und der Wahrscheinlichkeit zu rauchen besteht. In den meisten anderen Ländern rauchen eher ungebildete Schichten, in der Türkei ist es genau umgekehrt, so die Weltgesundheitsorganisation in einer Studie.

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