Energieversorgung: Türkei und Nordirak planen Pipeline-Bau

Eine Pipeline von den kurdischen Autonomiegebieten bis an die türkische Grenze soll bis Ende dieses Jahres fertiggestellt sein. Das erhöht die Unabhängigkeit der Türkei von iranischem und russischem Öl sowie die des autonomen Kurdistan von der Zentralregierung in Bagdad.

Bis zum Ende dieses Jahres soll eine Pipeline, die die Autonome Region Kurdistan (ARK) im Irak mit der Türkei verbindet, fertiggestellt werden. Damit wäre die kurdische Autonomieregierung unabhängiger von der Zentralregierung in Bagdad, mit der sie in einem andauernden Konflikt um die Nutzungsrechte für die Ölfelder steht. Die Pipeline soll ein Volumen von 300.000 Barrel pro Tag befördern können und kostet rund 200 Millionen Dollar.

Für die Türkei ist die Versorgung mit kurdischem Öl sehr wichtig, um ihre Abhängigkeit von Russland und dem Iran zu verringern. Gleichzeitig würde die gegenseitige wirtschaftliche und politische Verflechtung zwischen Ankara und der ARK dazu beitragen, die türkische Machtsphäre in der ARK auszuweiten (mehr hier). Türkische Bauunternehmen haben den Flughafen in Erbil gebaut und sind auch sonst in der ARK sehr aktiv. In einer Fernsehansprache vom vergangenen Mittwoch teilte der türkische Energieminister Tamer Yıldız mit, dass die türkische Infrastruktur für die irakisch-kurdische Pipeline bereit sei, so die Zaman.

„Ich bin sicher, dass der kurdische Export über die Pipeline schnell Realität wird. 50 Prozent der Einnahmen aus dem kurdischen Ölgeschäft gehen an die beteiligten Unternehmen, die andere Hälfte an den irakischen Staat“, so der kurdische Energieminister Ashti Hawrami im Juni während einer Energiekonferenz in London. Es bestehe zwar eine Vereinbarung zwischen Bagdad und der ARK, wonach die Zentralregierung über alle geschlossenen Verträge informiert werde. Trotzdem betont Hawrami die Notwendigkeit eines Gesetzes über die Ölvorkommen, das schon seit 2007 erfolglos verhandelt wird.

Denn noch immer gibt es kein irakisches Gesetz, das festlegt, wie die Erträge aus dem Ölgeschäft aufgeteilt werden und wer die Verhandlungen führen darf. Uneinigkeit besteht auch, weil die kurdische Regierung Bagdad vorwirft, mit Zahlungen für kurdisches Öl, das durch Pipelines der Zentralregierung gefördert wurde, seit Mai 2011 nachzuhängen. Das Finanzministerium begründet die Verspätung mit fragwürdigen Verträgen, die die kurdische Regierung mit ausländischen Investoren abgeschlossen habe.

Seit Dezember 2012 fließt kein kurdisches Öl mehr durch die Kirku-Ceyhan-Pipeline, die unter Kontrolle der Bagdader Zentralregierung steht. Seitdem kann ein nur sehr geringer Teil des kurdischen Öls mit LKWs in türkische Raffinerien gebracht werden. Die irakische Zentralregierung drückte damit ihre Missbilligung der eigenständigen Vergabe von Bohrkonzessionen an ausländische Investoren seitens der ARK aus.

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