Ärzte vor Gericht: Deshalb klagen Patienten am häufigsten

Fehldiagnosen sind die häufigste Ursache für Schadenersatzklagen in der ärztlichen Primärversorgung, zeigt eine aktuelle Studie. Die Autoren warnen Ärzte davor, sich bei der Diagnose zu sehr auf gängige Krankheitsbilder und bisherige Erfahrungswerte zu verlassen.

Schadenersatzklagen gegen Ärzte sind bei Weitem nicht immer erfolgreich, geschweige denn gerechtfertigt. Wissenschaftler vom Royal College of Surgeons in Dublin haben nun untersucht, was die häufigsten Beweggründe für die Patienten sind.

Das Forscherteam um Emma Wallace wertete dabei die Daten von 34 Originalstudien aus, berichtet die ÄrzteZeitung. Diese stammten aus den USA, Australien, Kanada und Frankreich. Daraus zogen die Wissenschaftler Informationen darüber, wie oft und aus welchen Gründen in der Vergangenheit Schadenersatzklagen gegen in der Primärversorgung tätige Ärzte geführt wurden.

Der Anteil der Schadenersatzforderungen, bei denen tatsächlich ein Behandlungsfehler vorlag, lässt sich mit dieser Vorgehensweise zwar nicht bestimmen, jedoch konnten die Studienautoren potentielle Risikofaktoren in der ärztlichen Praxis benennen. In 63 Prozent der Fälle standen Klagen im Zusammenhang mit einer fehlerhaften oder verzögerten Diagnostik. Bei erwachsenen Patienten betrafen die Vorwürfe am häufigsten Krebs und Herzinfarkt, bei Kindern Meningitis.

Mit bis zu 20 Prozent an zweiter Stelle rangierten Fehler im Zusammenhang mit der medikamentösen Therapie. Neben Verschreibungsfehlern listen die Autoren Fehler bei der Dosierung oder bei der Abgabe von Medikamenten auf, darüber hinaus kam es zu Forderungen wegen unerwünschter Nebenwirkungen. In Bezug auf verschriebene Substanzen waren insgesamt am häufigsten Therapien mit Steroiden, Antibiotika, Antidepressiva und Antipsychotika Bestandteil der Klagen.

Das Risiko eines Arztes, sich im Laufe seines Berufslebens eine Kunstfehlerklage einzuhandeln, ist dabei je nach Land sehr unterschiedlich. In einer US-Studie mit knapp 5.000 Hausärzten (family practitioners) lag das Risiko bei 76 Prozent, während es etwa in Großbritannien nur zwölf Prozent betrug.

Auch wenn die Fehler nicht allein beim Arzt lägen, gebe es doch Verbesserungsbedarf, so die Studienleiterin. „Allgemeinärzte neigen dazu, offenkundige Symptome einer naheliegenden Diagnose zuzuschreiben“, sagen Emma Wallace und ihre Kollegen. Zudem würde oft am ersten Eindruck festgehalten und eine einmal gestellte Verdachtsdiagnose zu wenig hinterfragt.

Zu Fehlern bei der Medikation trügen vor allem mangelnde Erfahrung, unzureichende Kenntnisse über den Patienten, Zeitdruck und hohe Arbeitsbelastung bei. Insgesamt warnen die Forscher jedoch davor, aus Angst vor Klagen zu einer „defensiven Medizin“ überzugehen. Dies führe zu einem Anstieg der diagnostischen Tests, der Überweisungen und nutzlosen Verschreibungen.

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