Türkischer Gesundheitsmarkt erreicht internationale Standards, Gesundheitssystem noch nicht

Der Gesundheitsmarkt in der Türkei besitzt großes Wachstumspotential. Besonders der private Krankenhaussektor und Pharmaunternehmen sind Zugpferde der Branche. Das staatliche Gesundheitssystem wird seit 2003 reformiert, hängt international aber hinterher.

Der türkische Markt für Gesundheitsdienstleistungen wächst, das staatliche Gesundheitssystem wird ausgebaut und reformiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Frost&Sullivan, die sich hauptsächlich mit dem privaten Gesundheitsmarkt befasst. Demnach hat die Türkei die weltweit meisten Krankenhäuser, die dem Joint Commission International-Standard entsprechen. Der Standard misst die Behandlung der Patienten und das Management der Krankenhäuser.

Der Markt für Gesundheitsprodukte werde sich bis 2015 von 21,6 auf 29,6 Milliarden vergrößern. Wachstumstreibende Entwicklungen sind Krankenhausmodernisierungen, die Angleichung an EU-Standards und der immer größer werdende Markt für teure Premium-Behandlungen. „Fusionen und Übernahmen werden aufgrund des rasanten Wirtschaftswachstums und der gesteigerten Innovationsaktivitäten in lokalen Pharma-, Medizintechnik- und Gesundheitsdienstleistungsunternehmen überall im Land zu beobachten sein“, so Hilal Cura von Frost&Sullivan gegenüber medizin&technik.

Aber auch steigende staatliche Gesundheitsausgaben würden die Attraktivität des türkischen Gesundheitsmarktes erhöhen.

So sind die Gesundheitsausgaben unter der AKP-Regierung von 30,6 Milliarden im Jahr 2006 bis 2012 auf 42 Milliarden Dollar gestiegen. Die vormals drei staatlichen Gesundheitskassen, eine für Arbeitnehmer, eine für Rentner und eine für Selbstständige, wurden in einem Amt zusammengefasst. Des Weiteren wurde ein gesetzlicher Anspruch auf eine Krankenversicherung für alle unter 18-Jährigen und alle Arbeitnehmer festgesetzt.

Im OECD-Vergleich fast immer Schlusslicht

Trotzdem gibt es in der Türkei viel weniger Ärzte und Krankenschwestern als in anderen OECD-Ländern. Auf 1000 Türken kommen 1,7 Ärzte, während der Durchschnitt der 34 größten westlichen Volkswirtschaften bei 3,4 Ärzten liegt. Mit 2,5 Krankenhausbetten auf 1000 Einwohnern ist die türkische Versorgungslage nur halb so gut wie der OECD-Durchschnitt. Die Angaben beziehen sich auf 2011. Aktuelle Daten für die Pro-Kopf Gesundheitsausgaben der Türkei gibt es nicht. Denn als einziges Land der OECD gibt die Türkei seit 2008 zentrale Daten ihres Gesundheitssystems nicht mehr an die OECD weiter.

Gerade in ländlichen Regionen des Ostens ist die Versorgungslage mangelhaft, für komplizierte Operationen müssen die Patienten in die nächste größere Stadt fahren. Arbeitslose und Menschen ohne Unterkunft erhalten eine sogenannte „Grüne Karte“, die ihnen Zugang zu staatlichen Krankenhäusern verschafft. Diese sind meistens schlecht ausgestattet und lange Wartezeiten zwingen akut gefährdete Patienten dazu, auf moderne, aber teure Privatkliniken auszuweichen.

Andererseits ist die Türkei auch von einem sehr niedrigen Gesundheitsniveau aus gestartet. 1960 lag die Lebenserwartung für einen türkischen Bürger bei 54 Jahren, heute ist sie 20 Jahre höher. Auch die Säuglingssterblichkeit ist in den letzten 50 Jahren von 19 Prozent auf sieben Prozent gesunken. Übertragbare Krankheiten, die auf schlechte hygienische Bedingungen zurückgehen, konnten eingedämmt werden.

Damit ist die Expansion des Gesundheitsmarktes ein Trend, der vor allem von der stetig wachsenden Ober- und Mittelschicht getragen wird und sich auf den privaten Sektor konzentriert. Die breite staatliche Versorgung hingegen befindet sich noch in einem Reformprozess, der sie von den letzten OECD-Rängen verbannen soll.

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