Militärputsch gegen Mursi: Erdoğan vermutet Israel hinter Chaos in Ägypten

Premier Erdoğan hat den Schuldigen für den Mursi-Umsturz in Ägypten ausgemacht. Israel stecke hinter dem Chaos am Nil. Dies könne er beweisen. Doch das Einzige, was er vorzuweisen hat, ist ein Youtube-Video einer öffentlichen Podiumsdiskussion in Tel Aviv. Dort sitzt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy und Israels Justizministerin Tzipi Livni zusammen und reden über den Arabischen Frühling. Lévy macht kein Geheimnis aus seiner Ablehnung gegen die Muslimbruderschaft.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan prescht erneut mit Vorwürfen gegen Israel vor. Er hat in einer Rede gesagt, dass Israel Schuld am Militärputsch in Ägypten sei, dafür habe er klare Beweise. Seine Beweise stellen sich allerdings alles andere als verlässlich heraus.

Tel Aviv sei von Anfang an gegen Mohammed Mursi und die Muslimbrüder gewesen. „Sie sagen jetzt zum Thema Ägypten, dass die Demokratie nicht nur aus Wahlen bestehe. Und wer steckt hinter diesem Spiel? Israel“, so Erdoğan.

Als Beweis gibt Erdoğan ein Youtube-Video aus dem Jahr 2011 an. In dem Video sind drei Personen zu sehen: Die israelische Justizministerin Tzipi Livni, der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy und ein Moderator.

Es handelt sich um eine Podiumsdiskussion in den Räumlichkeiten der Tel Aviv Universität. Der Moderator fragt Lévy, was er bei einer Parlamentsmehrheit der Muslimbrüder machen würde? Lévy sagt:

„Den Militärputsch in Algerien im Jahr 1992 habe ich positiv aufgenommen. Denn die Regierungsübernahme der islamischen Heilsfront war anti-demokratisch. Dasselbe Gefühl hatte ich bei der Hamas in Gaza. Wenn die Muslimbrüder in Ägypten die Macht übernehmen, dann werde ich das nicht akzeptieren. Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen (…) Die Muslimbrüder sind nicht – wie alle behaupten – die einzige Kraft in Ägypten (…) Ich werde alles tun, um die Machtetablierung der Muslimbruderschaft zu verhindern.“

Henri Lévy äußerte auf der Konferenz nur seine persönliche Meinung und antwortete auf die Fragen des Moderators und der Zuhörer. Auch sein offenbar freundschaftliches Verhältnis zu Livni dürfte kein Beweis dafür sein, dass Israels Bemühungen hinter dem Militärputsch stecken. Doch die israelische Regierung zeigt sich gelassen und möchte sich auf keinen Streit mit Erdoğan einlassen.

„Das ist eine Stellungnahme, die es nicht wert ist, kommentiert zu werden“, zitiert die Washington Post den Sprecher des israelischen Außenministeriums, Yigal Palmor.

Ministerpräsident Erdoğan sagte auch im Zuge der Massenproteste in der Türkei, dass ausländische anti-türkische Kräfte ihre „Finger im Spiel“ hätten und seine Regierung stürzen wollen. Vizepremier Beşir Atalay beschuldigte sogar die „jüdische Diaspora“ (mehr hier).

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