Wegen Teilnahme an Gezi-Protesten: TRT sägt Comedy-Sendung ab

Die Teilnahme einiger Schauspieler an den Gezi-Park-Protesten könnte jetzt das Aus für die türkische Comedysendung „Leyla ile Mecnun“ bedeuten. Wie die Produzenten des Formats verlauten ließen, wolle der staatliche Fernsehsender TRT die Ausstrahlung einstellen. Offiziell aufgrund sinkender Einschaltquoten.

Das Management des staatlichen Fernsehsenders TRT hat den Produzenten der türkischen Comedyserie „Leyla ile Mecnun“ mitgeteilt, dass man das Format absetzen werde. Offiziell geht es um sinkende Einschaltquoten. Doch auch ein anderer Grund ist möglich: Denn einige Darsteller hatten sich den seit Mai andauernden Gezi-Park-Protesten angeschlossen und sich regierungskritisch geäußert.

Via Twitter informierte Eflatun Film seine Follower über die Nachricht von TRT.  Man danke allen, die zur Show beigetragen hätten und natürlich auch dem Publikum.

Schauspieler kritisieren türkische Regierung

Das Format hatte sich in den vergangenen drei Jahren eine stattliche Fangemeinde erarbeitet, die sich im Internet rege ausgetauscht hat. Auch die Hauptdarsteller der Serie, Ali Akay, Ahmet Mümtaz Taylan, Cengiz Bozkurt, Atilla Sendil, Cihan Ercan und Safak Pekdemir verfuhren so. Sie teilten ein Video, in dem sie sich über die Entscheidung der Regierung lustig machten, die Artillery Barracks im Taksim Gezi Park wieder aufzubauen. Auch aus ihrer Sympathie für die Gezi-Park-Demonstranten machten die Schauspieler keinen Hehl. Bei ihrer Teilnahme an Demonstrationen wurden sie selbst Tränengas-Attacken ausgesetzt (mehr hier).

TRT sieht im Internet das Problem

Von Seiten TRT hört sich das ganz anders an. Wie die türkische Hürriyet berichtet, hätte der Sender in der vergangenen Woche von sinkenden Einschaltquoten gesprochen. Ob die Serie tatsächlich abgesetzt würde, hieß es, werde in der kommenden Woche entschieden. Man habe Onur Ünlü, den Produzenten der Serie, aufgrund dessen nach Ankara eingeladen und ihn über die sinkenden Quoten informiert. Das Problem für TRT: Viele Zuschauer würden das Format über das Internet ansehen und eben nicht über TRT.  Man habe mit Ünlü darüber gesprochen, wie man diese Entwicklung umkehren könnte und würde das Ganze jetzt evaluieren. Auch die türkische TV-Aufsicht arbeitete mit fadenscheinigen Argumenten, wenn es darum ging, unbequeme Sender abzustrafen (mehr hier).

Die Gezi-Park Proteste breiteten sich ab Ende Mai sukzessive über die gesamte Türkei aus. Schließlich waren 79 der insgesamt 81 Provinzen involviert. Vier Demonstranten und ein Polizist kamen bei den Auseinandersetzungen ums Leben. Mehr als zehn Demonstranten verloren ihr Augenlicht. Rund 7000 wurden verletzt.

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