Trotz Qualifikat​ion und Bildung: Arbeitgebe​r stellen Frauen mit Kopftuch nicht ein

Muslimische Frauen mit Kopftuch sind in Deutschland einer ständigen Diskriminierung ausgesetzt. Yasemin Küccük, Kopftuchträgerin und Mitarbeiterin in der Beschwerdestelle der Deutschen Telekom, sagt, dass die meisten Unternehmen Frauen mit Kopftuch nicht einstellen wollen. Ihre Erlebnisse decken sich mit dem jüngsten Bericht der Antidiskriminierungs-Stelle des Bundes.

Die Deutsch-Türkin Yasemin Küccük ist eine 26-jährige Servicefachkraft für Dialogmarketing. Sie ist gebürtige Gladbacherin und hat vor kurzem bei der Deutschen Telekom in Düsseldorf ihre Ausbildung abgeschlossen. Das Unternehmen hat sie übernommen und sie arbeitet seitdem in der Beschwerdeabteilung.

„Es macht sehr viel Spaß, wenn jemand ein Problem hat und ich kann ihm helfen“, sagt sie der rundschau-online.de.

Doch sie unterscheidet sich in einem Punkt von ihren Kolleginnen. Yasemin Küccük trägt ein Kopftuch. Das war nicht immer so. Denn sie entschied sich erst vor einigen Jahren, das Kopftuch für immer zu tragen. Davor war sie auch sehr aktiv im Bereich des Eventmanagements tätig. Gerne würde sie neben ihrem Telefonjob bei der Telekom auch weiterhin nebenberuflich als Event-Managerin tätig werden.

Ihr einziges Hindernis: Das Kopftuch.

Potentielle Arbeitgeber haben ihr immer wieder direkt gesagt, dass sie ihr Kopftuch ablegen soll. Andernfalls wäre eine Anstellung nicht möglich. Doch das kommt einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz gleich. Es verbietet Benachteiligungen aufgrund der Religion oder Weltanschauung einer Person. Eine Ungleichbehandlung kann nur gerechtfertigt werden, wenn die Tätigkeit „eine gerechtfertigte berufliche Anforderung darstellt (§ 9 AGG).“

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) schreibt in einem Bericht, dass Frauen mit Kopftuch eine „besonders große Ausgrenzung beim Zugang zu einer Arbeitsstelle erfahren.“

„Hier scheinen die kulturellen Stereotype und Vorurteile, ungeachtet der Qualifikation der Bewerberin, am größten zu sein, ebenso die Vorbehalte wegen vermeintlicher negativer Auswirkungen beim Kundinnenkontakt. Die ADS bewertet in diesem Zusammenhang landesrechtliche Verbote religiöser Symbole als problematisch. Diese könnten sich negativ bis in den privatwirtschaftlichen Bereich hinein auswirken.“

Es gebe Fälle von Kündigungen aufgrund der Entscheidung einer Person, ein Kopftuch zu tragen. Auch im Bildungsbereich komme es zu Diskriminierungen. Dabei gehen die Anfeindungen nicht nur von der Schule selbst, sondern auch von den Eltern nicht-muslimischer Kinder aus.

Im Lebensalltag haben es Kopftuch tragende muslimische Frauen ebenfalls schwer. Die Übergriffe häufen sich. So hatte Ende Juli ein Mann aus Berlin eine Muslimin aufgrund ihres Kopftuchs angegriffen und leicht verletzt (mehr hier).

In einem anderen Fall verweigerte ein Passant den Notruf für ein ohnmächtig gewordenes Mädchen (mehr hier).

Doch in Schweden kam es nach einem brutalen Überfall auf eine Muslimin mit Kopftuch zu einer landesweiten Solidaritätskampagne im Internet. Schwedinnen setzten sich ein Kopftuch auf, ließen sich fotografieren und stellten die Fotos ins Internet (mehr hier).

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