Sicherheit im Straßenverkehr: Türkische Polizei macht jetzt auch Drogentests

Seit Mitte dieser Woche setzt die türkische Polizei eine neues Programm für mehr Verkehrssicherheit um. Autofahrer müssen nun damit rechnen, nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf den Konsum illegaler Drogen hin getestet zu werden. Wie konsequent die Beamten am Ende sind, bleibt allerdings abzuwarten.

Die Abteilung für Verkehrskontrollen der Istanbuler Polizei hat in dieser Woche angekündigt, dass ihre Beamten nun damit begännen, die Autofahrer nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf Drogen hin zu testen. Die Maßnahme ist Teil eines neuen Programms, das kürzlich von der Generaldirektion für Sicherheit ins Leben gerufen wurde. Dem voraus ging eine Änderung der bestehenden Verkehrsgesetzgebung im vergangenen Mai.

Für die nun anstehenden Drogentests, so berichtet das Portal Worldbulletin, würden die Beamten ein ähnliches Gerät verwenden, wie es bisher bereits bei Alkoholtestes zum Einsatz käme. Die mobilen Tester funktionierten via Speichelprobe. Angezeigt würden unter anderem Cannabis, Kokain, Opiate, Amphetamine, Methamphetamin, Ecstasy und Methadon. Die Speichelprobe reagiert mit einer chemischen Substanz und Wasser in einer Vorrichtung. In drei bis acht Minuten ist das Ergebnis dann sichtbar.

Drogen am Steuer: Geldstrafe und Führerscheinentzug

Bereits am vergangenen Mittwoch begann die türkische Polizei mit der Umsetzung. Wurde ein Fahrer zur Kontrolle ausgemacht und positiv getestet, musste dieser die Beamten auf die nächste Dienststelle begleiten. Dort erhält er dann eine Anzeige wegen illegalen Drogenkonsums.

Eine Einführung in die neuen Drogentests erhielten die Beamten allerdings nur in aller Kürze. Dem Blatt zufolge hätte es lediglich am Dienstag eine Einweisung durch Ali Özsoylar, Direktor der Abteilung für Verkehrskontrollen, gegeben. Anwesend seien aber auch Fachleute aus Deutschland gewesen, wo die Drogenschnelltests hergestellt werden. Wie wichtig, die neue Technik ist, machte Özsoylar während der Einführung deutlich: „In Istanbul gibt es derzeit nur drei Drogentestgeräte. Dieses Gerät ist nun in der Lage, den Konsum von Medikamenten binnen neun Minuten anzuzeigen. Die Kosten für jeden einzelnen Test betragen rund 20 Euro.“ Insgesamt könne man 19 verschiedene Substanzen ausmachen. Würde ein Fahrer erwischt, hätte er mit einer Strafe von 3600 Lira, umgerechnet rund 1360 Euro, zu rechnen. Außerdem ist der Führerschein für ganze fünf Jahre weg und die Speichelprobe des Fahrers wird als forensischer Beweise für zwei Jahre gespeichert. Hauptproblem in der Türkei ist jedoch nach wie vor das Fahren unter Alkoholeinfluss (mehr hier).

Polizei ahndet Verstöße kaum

Fraglich erscheint, ob die guten Vorsätze der türkischen Polizei am Ende auch tatsächlich konsequent umgesetzt werden. Das Problem: Die Gesetzgebung für mehr Verkehrssicherheit ist zwar mehr oder weniger völlig ausreichend, aber sie wird nicht durchgesetzt. Einfaches Beispiel: Sicherheitsgurte sind Pflicht, angelegt werden sie jedoch von kaum jemanden (mehr hier). Denn: Die Chance bei Verstößen ungeschoren davon zu kommen ist, anders als in Europa, exorbitant hoch.

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