Massenabwanderung befürchtet: Türkische Bürger fühlen sich in syrischer Grenzregion nicht mehr sicher

Die Bewohner der türkisch-syrischen Grenzstadt Ceylanpınar in der Provinz werden von dem seit März 2011 andauernden Konflikt im Nachbarland zusehends in Mitleidenschaft gezogen. Die Einschränkungen im täglichen Leben haben derart zugenommen, dass schon bald mir regelrechten Massenabwanderungen gerechnet wird.

Spätestens seit dem 16. Juli dieses Jahres hat sich die Situation in der türkisch-syrischen Grenzstadt Ceylanpınar massiv verschärft. Zusammenstöße zwischen der Partei der Demokratischen Union (PYD) und der al-Nusra-Front im syrischen Ras al-Ain, haben die Ängste in Ceylanpınar deutlich verstärkt, dass sich nicht nur die ein oder ander Kugel auf türkisches Terrain verirren könnte.

Einige Familien, so berichtet die türkische Zaman, hätten Ceylanpınar bereits verlassen. Ladenbesitzer würden nicht selten ihre Geschäfte am Abend schließen, ohne überhaupt einen einzigen Cent während des Tages eingenommen zu haben. Das bestätigt Mehmet Kahraman, Leiter der Handelskammer in Ceylanpınar, dem Blatt. Die Geschäftsleute in der Stadt seien in einer denkbar schwierigen Lage. Ihre Umsätze seien um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. „Das kommerzielle Leben ist sehr inaktiv. Die meisten Geschäftsleute können ihre Kredite nicht mehr bedienen“, so Kahraman. Eines der eindrucksvollsten Beispiele: Obschon bald die Schule wieder beginnt, stocken die Ladenbesitzer ihre Lager nicht mit entsprechenden Produkten auf. Zu groß sei die Angst, die Schulmaterialien nicht verkaufen zu können.

Doch nicht nur die Unternehmer haben zu kämpfen, auch die Hausbesitzer, wie Abdülkadir Abak verdeutlicht. Der Chef einer LKW-Fahrer-Genossenschaft in Ceylanpınar schildert, dass die Anwohner nicht einmal ihre Häuser, die von Geschossen aus Syrien beschädigt wurden, reparieren könnten. Die Leute würden sich wie Flüchtlinge in ihrem eigenen Heimatland fühlen, fasst er die Situation zusammen. Derzeit sei alles offen. Niemand wage es zu deuten, wo man nächstes Jahr sein könnte. Die Irrläufer, die aus Syrien herüberkämen, hätten die Menschen völligst traumatisiert. Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, so die Zeitung, würden mittlerweile Versetzungsanträge stellen. Als Grund gäben sie Sicherheitsbedenken an. Nicht ganz unbegründet. Erst am vergangenen Donnerstag gab es erneut vier Verwundete auf türkischer Seite. Ein Opfer soll sich derzeit in kritischem Zustand befinden. Vorfälle wie diesen gab es bereits in der Vergangenheit (mehr hier).

Wie es vielen Anwohner geht, verdeutlicht etwa Mehmet Yılmaz. Jeden Abend würde er mit der Angst ins Bett gehen, in der Nacht von einer Kugel getroffen zu werden. „Wir wissen nicht, wo und wann der Tod kommen wird. Wir sind jede Minute in Angst. Seit Wochen sind da die Geräusche der Waffen. Alle Einwohner, nicht nur eine bestimmte Gruppe, haben Angst.“ Die Türkei reagierte bereits entsprechend (mehr hier).

Unterdessen würden auch erste Gerüchte umgehen, dass Einwohner, die es nicht schafften sich andernorts niederzulassen, künftig in einem Camp in Malatya unterkommen sollen.

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