In der Türkei „gestrandet“: US-Amerikaner fühlen sich von Kreuzfahrtschiff im Stich gelassen

Jill and Dodge Melkonian aus Florida stecken derzeit in einem echten Dilemma. Verzweifelt bemühen sich gleich mehrere Institutionen, die beiden Urlauber nach Hause zu holen. Das Paar sitzt in der Türkei fest. Eigentlich waren die US-Amerikaner auf Kreuzfahrt. Als sich Dodge die Hüfte brach, wurde aus einer munteren Fahrt plötzlich knallharter Ernst.

Der US-Amerikaner Dodge Melkonian ist ein erfahrener Kreuzfahrer. Mehr als 30 Mal hat er sich bereits per Schiff auf Reisen begeben. Doch das, was dem Mann aus Florida nun widerfahren ist, hatte er sich bisher nicht träumen lassen. An Bord eines Kreuzfahrtschiffes zog er sich in dieser Woche eine ernsthafte Verletzung zu. Die Folge: Er und seine Frau Jil blieben in der Türkei zurück. Hilfe ist jedoch nicht in Sicht.

Die ganze Geschichte rund um das Ehepaar aus Florida, so berichtet das Portal HLN, halte mittlerweile eine US-Botschaft, eine Reederei, zwei Länder und den Senator von Florida auf Trab. Derzeit, heißt es, befände sich Herr Melkonian in einem türkischen Krankenhaus. Seine Behandlung schlage allerdings mit täglich rund 10.000 Dollar zu Buche. Und ein Ende ist nach Angaben ihrer Reisevermittlerin Tammy Levent, von Elite Travel Management, nicht in Sicht.

Ehepaar geht in Bartin von Bord

Doch von vorne: Das Ehepaar war in dieser Woche in der Nähe des Schwarzen Meeres unterwegs, als der 89-Jährige stürzte und sich dabei die Hüfte brach. Umgehend benötigte der Senior einen Arzt. An Bord des Kreuzfahrtschiffes wurde er auch vom dort anwesenden medizinischen Personal begutachtet. Doch schnell war klar, hier wird weitere medizinische Hilfe gebraucht. In der kleinen Küstenstadt Bartin ging das Paar also von Bord. Und dort, so Jill Melkonian, begannen dann die Schwierigkeiten.

Los sei es im hiesigen Krankenhaus gegangen, in dem das Personal keine ausreichenden Englischkenntnisse gehabt und sich daraus erhebliche Kommunikationsprobleme ergeben hätten. Zwar konnte dem Paar ein englischsprachiger Reiseführer zur Seite gestellt werden, der ihnen schließlich half, zu einem amerikanischen Krankenhaus in Istanbul zu gelangen. Doch nach der dort stattgefundenen Operation ist die Sache noch immer nicht ausgestanden. Denn jetzt geht es um Geld, viel Geld.

Greift die Reiseversicherung?

Die Krankenhausrechnung des Mannes steigt täglich. Und derzeit sieht alles danach aus, als ob Dodge Melkonian noch weitere zehn Tage bleiben müsste. Sowohl das Paar aus Florida als auch Levent sind nun der Ansicht, dass Royal Caribbean, die Muttergesellschaft des Kreuzfahrtanbieters, die Zeche zu zahlen hätte. Schließlich habe man dort eine entsprechende Reiseversicherung abgeschlossen. Doch die Kommunikation mit dem Unternehmen, sei nach Angaben von Levent, alles andere als zufriedenstellend. Mal hieße es, sie übernehmen die Kosten, dann wieder nicht. Vertrauen hätte sie derzeit gar keines mehr.

Auch Bill Nelson, Senator von Florida, hatte sich zwischenzeitlich in den Fall eingeschaltet. Seine Kritik gilt derzeit jedoch der US-amerikanischen Botschaft. Zwar glaube er schon, dass diese helfe, ob das allerdings adäquat geschehe, zweifle er dann doch an. Das alte Ehepaar in einem fremden Land derart allein zu lassen, hält er jedenfalls für ziemlich unverschämt. Er ist allerdings auch davon überzeugt, dass Royal Caribbean, die Verantwortung für ihre Passagiere übernehmen müsste, selbst wenn diese in einem ausländischen Krankenhaus lägen. Doch genau diese Verantwortung wird nun offenbar hin und her geschoben. Ein Sprecher des US-Außenministeriums, so berichtet das Portal weiter, vertrete nämlich die Ansicht, dass sich um das Paar anständig gekümmert werde. Das Generalkonsulat in Istanbul stünde mit ihnen in direktem Kontakt und leiste entsprechenden konsularischen Beistand. Gleiches hieße es auch von Seiten Royal Caribbean Cruises. Mit solchen Fällen hätte man schließlich Erfahrung.

Übrigens: In den Reisebestimmungen sind genau solche Szenarien aufgeführt. So haben Passagiere durchaus das Recht, das Schiff zu verlassen, wenn an Bord eine adäquate medizinische Versorgung nicht zu gewährleisten ist. Andererseits gibt es aber auch einen Passus, der eine Rückerstattung der Reisekosten, Entschädigung, oder Haftung seitens des Trägers nach Antritt der Reise ausschließt, wenn diese verfrüht von Bord gehen, so HLN. Welche Versicherung das Ehepaar abgeschlossen hat und was entsprechend in ihrem Fall zutrifft, ist derzeit offenbar noch gar nicht klar.

Für Tammy Levent im fernen Tampa ist das kein Grund, sich nicht weiter intensiv um das Ehepaar zu bemühen. Die Melkonians machen derweil das Beste aus ihrer Situation: „Wir sind sehr glücklich, dass wird in diesem Krankenhaus sind. Sie kümmern sich wirklich sehr gut um uns. (…) Wir wüssten nicht, was wir sonst getan hätten.“ Levent zufolge, ginge es Herrn Melkonian derzeit den Umständen entsprechend gut, würde aber noch unter Morphin stehen. Ziel sei es nun, sie endlich nach Hause zu holen. Seinen Lust auf Kreuzfahrten hätte er jedoch trotz alledem nicht verloren.

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