6. Gesichtstransplantation: Türkische Ärzte gehen Wagnis erneut ein

Ein Ärzteteam am Universitätskrankenhaus von Akdeniz hat am vergangenen Freitag die sechste Gesichtstransplantation in der Türkei durchgeführt. Bereits seit 2012 versuchen sich die türkischen Mediziner auf diesem Gebiet eine weltweit einmalige Position zu sichern. Bei diesem Patienten ist die OP allerdings besonders riskant.

Die sechste Gesichtstransplantation in der Türkei wurde am vergangenen Freitag von einem Ärzteteam rund um Dr. Ömer Özkan geleitet. Patient im Universitätskrankenhaus von Akdeniz, in der südtürkischen Provinz Antalya, war diesmal der 54-jährige Salih Ü. Gespendet wurde das Transplantat von Muhittin T., der zuvor für hirntot erklärt worden war. Der 31-Jährige hatte am 21. August einen schweren Motorradunfall erlitten. Die Familie von T. hatte schließlich beschlossen, seine Organe zu spenden.

Bei Salih Ü. ist die Operation – anders als bei den vorherigen Patienten – besonders riskant. Ihm wurde nicht nur das Gesicht, sondern auch die Zunge und Teile des Kopfes transplantiert. Der 54-Jährige hatte sich vor vieren Jahren mit einer Schrotflinte verletzt. Bis heute kann er weder essen noch sprechen. Mehr als der ästhetische Faktor sei deshalb die Wiedergewinnung dieser Fähigkeiten entscheiden, so Özkan.

Prof. Dr. Ömer Özkan, Chirurg in der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, ist in Sachen Gesichtstransplantation kein Unbekannter mehr. Unter seiner Leitung wurde bereits die erste sowie die vierte Operation dieser Art in der Türkei durchgeführt.

Beginn der Gesichtstransplantationen 2012

Bereits am Donnerstag gegen elf Uhr wurde es dann erneut ernst. Kopfhaut, Augenlider, Kiefer-und Oberkiefer, die Nase und die Hälfte der Zunge des Spenders wurden in einer achtstündigen OP erfolgreich entfernt. Am Freitag, gegen 7.15 Uhr gab es schließlich das Go von Seiten des Mediziners in Richtung der anwesenden Journalisten. Alles sei in Ordnung. Kurze Zeit später begann die Transplantation.

Die Historie der türkischen Gesichtstransplantationen begann bereits Anfang des Jahres 2012. Damals, am 21. Januar beging Ahmet K. Selbstmord. Sein Gesicht wurde dem 19-jährigen Ugur A. gespendet (mehr hier). Dieser litt bereits während seines gesamten Lebens unter schwersten Verbrennungen, die er als kleiner Säugling mit knapp 40 Tagen erfahren hatte. Diese erste erfolgreiche Operation brachte dem Ärzteteam um Prof. Dr. Özkan internationale mediale Aufmerksamkeit. Die zweite OP fand nur wenig später im Hacettepe Universitätsklinikum in Ankara statt, die dritte folgte am 17. März des gleichen Jahres im Gazi Universitätsklinikum.

Nicht alle Transplantationen verlaufen erfolgreich

Ein durchgängiger Erfolg war das Ganze allerdings bei weitem nicht. Während der erste Patient in diesen Tagen erstmals wieder arbeiten kann (mehr hier), gab es auch Transplantationsfälle, die für heftige Kritik sorgten. So endete etwa die dreifache und vierfache Gliedmaßentransplantation an Sevket Cavdar und Atilla Kavdir, an der auch Özkan beteiligt war, mit dem tragischen Tod der Patienten (mehr hier). Vorreiter wollen die türkischen Ärzte auch auf dem Gebiet der Gebärmuttertransplantation werden. Auch die erste OP dieser Art verlief erfolgreich. Eine Schwangerschaft glückte ebenfalls. Das Baby hat die Patientin mittlerweile allerdings wieder verloren.

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