Zu wenige Grenzübergänge: Handel mit Nordirak könnte doppelt so hoch sein

Der einzige Grenzübergang zwischen der Türkei und dem Irak reicht nicht mehr aus, um dem wachsenden Handel zu begegnen. Mit einem erweiterten Übergang wäre das Doppelte des Handelsvolumens erreichbar. Hierzu bedarf es allerdings Investitionen in Millionenhöhe.

Der der Handel zwischen der Türkei und der kurdischen Autonomieprovinz im Nordirak blüht. Mit einer Kapazität von 3500 LKWs am Tag ist der einzige Grenzübergang im nordirakischen Habur der steigenden ökonomischen Verflechtung nicht mehr gewachsen. Allein im vergangenen Jahr betrug das Exportvolumen in den Irak 10,8 Milliarden Dollar, wovon gut zwei Drittel auf die kurdische Provinz entfallen. Damit ist der Irak zweitgrößter Exportmarkt der Türkei. Im Gegenzug ist der Nordirak ein an Gewicht gewinnender, von der Zentralregierung unabhängiger Lieferant von Erdöl.

Über 2000 Unternehmen sind im kurdischen Nordirak aktiv, allen voran die türkische Baubranche, die auch den Flughafen in der Provinzhauptstadt Erbil errichtet hat. Aber auch türkische Lebensmittel, Elektrogeräte und Banken gehören zu den lokalen Marktführern. Zwischen 2011 und 2012 stiegen die türkischen Exporte um 30 Prozent an, Tendenz steigend. „Das Handelsvolumen zwischen dem Irak und der Türkei könnte sich verdoppeln, wenn die Infrastruktur am Grenzübergang ausgebaut wird“, sagt Soran Aziz, stellvertretender Präsident der Handelskammer Erbil im Nordirak, auf Nachfrage der Zaman.

Es ist geplant die Grenzstation mit bisher zwei dreispurigen Terminals um ein sechsspuriges Terminal zu erweitern. Die Kosten dafür würden sich auf 30 Millionen Dollar belaufen. Dieser Vorschlag wurde bereits vom nordirakischen Energieminister an Premierminister Erdoğan weitergeleitet.

Ein Großteil des Exports in den Nordirak kommt aus der südtürkischen Stadt Gaziantep. Die Hälfte des Handelsvolumens der Stadt von 6,5 Milliarden Dollar entspringt dem Handel mit dem Nordirak. Der Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen in dieser aufsteigenden, aber noch immer strukturschwachen Region des Südens und Südostens, hängt damit besonders von der politischen Stabilität des Nordirak ab. Das Verhältnis der kurdischen Autonomieregierung zur Zentralregierung in Bagdad entzündet sich seit Jahren an der Frage, wie und von wem die Öl- und Gasvorkommen im Norden des Landes ausgebeutet werden dürfen (mehr hier). Eine Pipeline aus dem Nordirak in die Türkei soll bis Ende diesen Jahres fertiggestellt werden.

Die kurdische Atonomieregierung versucht ihre Unabhängigkeit von Bagdad durch die ökonomische Nähe zur Türkei zu erweitern. Ob aus der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit auch eine dauerhafte politische Loyalität erwächst, wird sich spätestens an der Zukunft Syriens zeigen. Denn mit der Frage, was mit den von Kurden besetzten Gebieten in Syrien passiert, wird sich offenbaren, ob die politischen Interessen der Türkei und der autonomen Region Kurdistan übereinstimmen.

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